Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Die Sommerzeit gibt es in unserem lieben Deutschland seit 1980, also, ähm, seit 23 Jahren. Vorher gab es sie schon von 1916 bis 1919, dann von 1940 bis 1949. Und nun ist sie eben heute Nacht wieder mal zu Ende gegangen. Soooo lange gibt es die Sommerzeit, doch immer wissen wir noch nicht, was das eigentlich ist. Sommerzeit. Winterzeit. Das Institut Emnid hat soeben herausgefunden: Ein Drittel der Deutschen hat keinen Schimmer, was in der Nacht zu heute mit den Uhren geschah bzw. hätte geschehen sollen. Musste man sie vorstellen? Zurückstellen? Ein Drittel der Deutschen irrt also nun durch Wohnungen, sucht nach festem Halt, nach korrekter Zeit, hört Radio, ruft die Zeitansage an (hey, gibt es die Zeitansage noch?), blickt auf eine vielleicht vom Braunschweiger Atomchronometer gelenkte Funkuhr, sucht nach der Bedienungsanleitung für die Uhr im Auto.

Und lernt wie jeden Oktober neu: Man hat die Uhren vorgestellt, halt, nein… hihi, zurück!!!gestellt. Zurühück! Man hat uns jene Stunde wiedergegeben, die man uns im März nahm, als die Zeiger nachts von zwei direkt auf drei Uhr vor!!!rückten. Ist es nicht seltsam: So viele Monate lang hat man eine Stunde Lebenszeit einbehalten, von jedem Deutschen eine. Was geschah mit 82 Millionen Stunden, das sind 3417 Tage? Was machen wir mit den zurückgewonnenen Millionen? Man steht dieser Stunde gegenüber wie Wladimir dem Estragon zu Beginn des Wartens auf Godot: „Ich freue mich, dich wiederzusehen. Ich dachte, du wärst weg für immer.“ Warum geht das nicht in unsere Schädel hinein, wie die Sommerzeit funktioniert? Warum grübeln wir jedes Jahr zweimal wieder neu, einmal im Frühling und einmal im Herbst? Wir, das dumme Drittel.

Komisch ist ja auch, dass sie die Uhren nachts umstellen. Wenn man das am Tag machen würde, könnten wir zusehen. Etwas lernen. Vielleicht ist es ja auch so, dass die eine Stunde, die man die Uhren zurück!!!stellt, quasi wiederholt wird, dass man also eine Stunde lang alles noch einmal neu entscheiden könnte oder dass man die schönsten Dinge immer genau in dieser Stunde täte, damit man sie zweimal erlebte. Aber es passiert nachts, wenn wir schlafen. Der Erfinder der Sommerzeit, ein Brite namens Willett, hat mal ausgerechnet, dass ein Mann durch ein Leben mit der Sommerzeit so viel Sonne gewinnt, dass er im Alter von 72 drei Jahre davon gespeichert hätte. Drei Lichtjahre! Vorausgesetzt natürlich, er musste nicht in der Nachtschicht arbeiten. Das ist schön. Andererseits haben Statistiker herausgefunden, dass in den ersten fünf Tagen nach Beginn der Winterzeit die Zahl der Herzinfarkte in Sankt Petersburg um 75 Prozent steigt. Aber was lernen wir Dummdritteldeutschen daraus? Vielleicht: Jetzt erst mal Sankt Petersburg meiden.

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