Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Dass es im Geschlechtsleben der Vögel nicht so gesittet zugeht, wie man es gerne hätte, schwante (ja: schwante!) dem Kenner schon seit Lektüre des 1600 in Frankfurt erschienenen „Vogelbuchs“ von Conrad Gesner, in welchem es heißt: „Wann der Enten viel beyeinander sind, so werden sie also hitzig, daß sie das Weiblein, indem einer nach dem anderen auffsitzet ertödten.“ Ja, es ist wahr, unter Stockenten ist das Phänomen der Massenvergewaltigung mit Todesfolge seit längerem bekannt.

Brehm hat das später beschönigt, schrieb von der „vielen Liebe“, mit der Erpel an ihren Enten hingen, doch musste er zugeben, dass „heftige Brunst sie leicht zu Überschreitungen der Grenzen einer geschlossenen Ehe verleitet“. Wer mag, kann in öffentlichen Parks eigenen Forschungen nachgehen.

Was moralische Festigkeit angeht, so ruhten alle Hoffnungen bis vor kurzem auf gewissen Singvögeln, die doch offensichtlich treu gebunden in Wald und Flur ihr gottgefälliges Leben führten. Wobei man hier die Kohlmeise gleich ausnehmen möchte, berichteten doch Zoologen zu allen Zeiten, dass sie dazu imstande sei, kleineren Gefiederten die Schädel zu zerhacken und das Vogelhirn zu fressen, statt sich an Insekteneier und Sämereien zu halten. Man möchte sich nicht vorstellen, was dies Viech im Sexuellen…. Aber die Blaumeise! Mit zartem „zititätätäh“ oder pfeifendem „tgi tgi“ sowie kicherndem „zihihihihi“ durchstreift sie paarweise die Laubwälder, auch den Wienerwald, in dem sich in den vergangenen vier Jahren jedoch auch Max-Planck-Forscher verbargen, die sich fürs Liebesleben des zierlichen Tieres interessierten. Ergebnisse fanden wir in der Zeitung unter der heiteren Überschrift „Spaß mit mehr Vögeln“.

Es stellte sich nämlich heraus, dass jedes siebte Ei nicht von jenen Männchen stammte, welche die trauten Nester bewachten. Sondern von Kerlen, welche die Weibchen vor Tau und Tag besuchten, während die Gehörnten dösten oder froh zwitschernd den neuen Familientag begrüßten. Besonders gern, so die Forscher, gäben sich die Meisinnen einem frisch zugereisten lockeren Vogel hin, ersatzweise auch älteren Herren aus der Nachbarschaft. Und warum? Der Weitgereiste biete frisches Genmaterial an, während die Altmeiseriche durch eigenes hohes Alter auch dem Nachwuchs Kraft und Durchhaltevermögen versprächen. So erhielten die Meisen, formulieren die Forscher, durch Fremdgehen einen „evolutionären Vorteil“. Das ist nun die unglaublichste aller Ausreden, von denen man je hörte! Kommt ein Meisenweib dann morgens wieder heim zum längst treu die Jungen fütternden Mann, muss es auf die Frage „Hast du eigentlich eine Meise!?“ nur antworten: „Schatz, bleib ruhig, ich habe uns einen evolutionären Vorteil verschafft!“

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