Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Seit Bohlen aus dreieinhalb Wörtern („voll“, „krass“, „gruselig“ und „supi“) ein Buch hat zusammenbauen lassen, seit „Effe“ Effenberg auf 320 Seiten sein Leben erzählte (unter KapitelÜberschriften wie „Manchmal war die Kacke am Dampfen“, „Bekloppt vor dem Fernseher“ oder „Eine teure Verarschung“), seitdem stellt man im öffentlichen Leben eine gewisse sprachliche Verpöbelung fest. Der „Spiegel“ listete auf, welche Wörter FDP-Politiker bei Auseinandersetzungen wählen: Die Generalsekretärin sagt, der Kieler Fraktionschef habe keinen „Arsch in der Hose“. Der Kieler Fraktionschef wirft der Generalsekretärin vor, sie würde die Parteibasis „verscheißern“, außerdem kenne „keine Sau“ mehr die FDP. Ein Vizeparteivorsitzender nennt den anderen ein „Klugscheißerle“. Der Vorsitzende bittet den Stellvertreter, „die Schnauze zu halten“.

Kaum hat man das gelesen, hört man von einem CDU-Abgeordneten, der behauptet, eher werde „einem Moslem die Hand abfaulen“, als dass er CDU wähle. Und die liebe lange Woche vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo der Satz des Torwartes Kahn zitiert wird, demzufolge was der FC Bayern brauche, „Eier“ seien, „ich sage Eier, wir brauchen Eier. Sie wissen, was das heißt…“ Ja, Mann, wissen wir! Ist ja gut! Gleich hat sich Effenberg wieder aus Katar gemeldet und mitgeteilt, er habe jedenfalls immer Eier gehabt… Bitte, nein, glaubt man es denn?! Sind das die Folgen von Rudi Völlers Scheiße-Käse-Rede? Dass man sich keine Hemmungen mehr auferlegt? Dass alles im Primitivismus versackt? Dass man die Kinder wegsperren muss, sobald der Nationaltorwart seine Zahnreihen öffnet?

Hören Sie, das mag betulich klingen: Aber wir sind hier nicht auf dem Schweinemarkt! Jeder weiß ja, dass man sich auf dem Sportplatz rustikaler äußert, obwohl darauf hinzuweisen wäre, dass die Frauen des DFB Weltmeister geworden sind, ohne dass dauernd eine Type wie Prolliver Kahn herumgeteufelt hätte. „Bild“ hat die Bayern-Spieler in Röcken abgebildet und als „kleine Mädchen“ verhöhnt, so was habe ich zuletzt vor Jahrzehnten auf dem Schulhof gehört. Also, das war hier mal ein kultiviertes Land, die Bundestrainer hießen Herberger, Schön, Beckenbauer, erwachsene Männer, die sich vernünftig ausdrückten und nicht wie Fuhrknechte fluchten. Und die FDP hatte Leute wie Maihofer und Flach, na gut, das ist fast ein anderes Thema, und die CDU – ach, die CDU… Ich rede nicht von Politik, nur von Umgangsformen. Das muss man tun, bevor hier alle verrüpelt sind und bevor eines Tages der letzte zivilisierte Deutsche im Bundestag steht, „Sehr verehrte Damen und Herren!“ sagt, ganze Sätze bildet und in die offenen Mäuler und leeren Augen der versammelten Teutonen blickt. In deren Gesichtern stünde bloß ein großes „Humpf!?“

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