Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Im schier endlosen Strom der Klagen über das Ende der HaraldSchmidt-Show findet sich die Klage der Schauspielerin Elena Uhlig: „…weiß gar nicht, was ich jetzt noch spätabends gucken soll.“ Das wäre ja nun schon an sich ein Grund gewesen, die Sendung mit sofortiger Wirkung einzustellen: dass da Leute sitzen, die sonst nicht wissen, was sie spätabends gucken sollen – bitte, wer möchte für solche auch nur ein Gramm seines Hirnschmalzes hingeben?! Des weiteren sagte der CSU-Generalsekretär Söder, Schmidts Sendung zähle „zu den ganz wenigen Premium-Produkten“ – harrrr! Hat Herr Schmidt Tag um Tag gearbeitet, damit am Ende so ein Sekundär-Produkt der deutschen Politik ihn mit Marketing-Geschwurbel bewirft? Und dann war da noch Hartmut Mehdorn, der sagte: „Harald Schmidt ist für mich intelligente Unterhaltung, die auch die Bahn nicht ausspart.“ Ist das nicht süüüüß? An mein Herz, Bahnchef, für diesen Satz!

Aber zum Wichtigsten. Von Reinhold Beckmann las man: „Kreativität braucht keine Pause und Schmidt schon gar nicht.“ Hmmm… Dazu ein ernstes Wort. Erstens: Kreativität! Das ist im Laufe der Jahre ein ekelhafter Begriff geworden – warum? Weil es ein Wort aus jenen ununterbrochen unter Dampf stehenden Werbe- und Fernsehfabriken ist, in denen „der Kreative“ Ideen abzuliefern hat wie der Fließbandarbeiter Kotflügel. Ein Schawinsky-Wort, benutzt von Leuten, die auch „Kult“ sagen oder „innovatives Konzept“. Solche Leute mögen wir nicht. Sollte Schmidt selbst von einer „kreativen Pause“ gesprochen haben, die er zu machen gedenke, so zeigt allein die Benutzung des Wortes „kreativ“, wie nötig diese „Pause“ sein könnte.

Man darf doch nicht vergessen, dass – wie vor Jahrzehnten Hermann Hesse schrieb – mehr und mehr „die geistige Arbeit sich dem traditions- und geschmacklosen, gewaltsamen Industriebetrieb assimilierte“. Von Kindesbeinen an werde versucht, dem Künstler Freiheit und Persönlichkeit zu rauben, in dem man ihn dem Druck serieller Produktion unterwerfe und ihm „den Zustand eines gezwungenen, atemlosen Angestrengtseins als Ideal“ eintrichtere. Pause!!! Ja!!! Als erstes müsste Schmidt… Nein, er hat es wahrscheinlich längst getan, es müssten also Beckmann oder auch Frau Elena Uhlig in nun leeren Nachtstunden Hesses wunderbaren Text „Die Kunst des Müßiggangs“ lesen: über die Unvermeidlichkeit der „scheinbar leeren Mußepausen, deren äußerer Anblick von jeher Verachtung oder Mitleid der Banausen geweckt hat“. Hier daraus nur noch ein Zitat: „Künstler haben von jeher des zeitweiligen Müßigganges bedurft, teils um neu Erworbenes sich klären und unbewusst Arbeitendes reif werden zu lassen, teils um in absichtsloser Hingabe sich immer wieder dem Natürlichen zu nähern…“

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