Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Nun naht wieder der Einunddreißigstezwölfte, und es kommt aufs Neue die Stunde vieler letzter Zigaretten. Schon reift in vielen Rauchern ein Vorsatz, der morgen, übermorgen und überübermorgen zum Entschluss werden muss – danach beginnt der große Kampf. Mark Twain hat geschrieben, dass es für alles im Leben nur ein erstes Mal gebe, hingegen für die Zigarette viele letzte Male: „Mit dem Rauchen aufzuhören ist die einfachste Sache, die ich jemals getan habe. Ich muss es wissen, da ich es tausendmal getan habe.“ Sehr viele Zigaretten, die täglich geraucht werden, sind letzte Zigaretten, ja, in Italo Svevos berühmten Roman „Zeno Cosini“ raucht der Held nur letzte Zigaretten – und warum? Weil sie besser schmecken als andere, sagt er, intensiver. „Die letzte Zigarette hat das Aroma des Gefühls eines Sieges über sich selbst, der Hoffnung auf eine baldige Ära voller Kraft und Gesundheit.“

Drei Tage noch. Das Problem mit der Zigarette ist, dass ihr Genuss einer anderen Logik gehorcht als andere Genüsse. Während sich Bedürfnisse nach diesem oder jenem im allgemeinen befriedigen lassen, indem man dieses tut oder jenes zu sich nimmt, ruft eine Zigarette nur immer die Sehnsucht nach weiteren Zigaretten hervor, eine Erregung, „die sich in um so stärkerem Maße erneuert, je mehr man ihr nachgibt, und die nie zur Ruhe kommt und nie zum Schweigen gebracht wird“, schrieb der große französische Dichter Théodore de Banville. Und wie subtil ist dieser Genuss in einer Zeit, in der Raucher auf jeder Zigarettenpackung einerseits den Jahr für Jahr vergrößerten Hinweis auf den eigenen Tod oder doch wenigstens das drohende Erlöschen der Potenz nachlesen müssen, andererseits doch weiterrauchen, mit dem Schicksal spielend. Und in der Regierungen wie die amerikanische Jahr für Jahr ihre AntiRaucher-Kampagnen verschärfen, andererseits den Export von Zigaretten noch forcieren. (Das ist der deutschen Exekutive ja nicht fremd, die Atomkraft hier abschafft, ihrem Export aber erfreut-tatenlos zusieht.)

Dieser Tage erfuhr man nun von Forschungsarbeiten an der Universität Würzburg, zu deren Ergebnissen gehört: Gewohnheitsraucher werden stark von Abbildungen brennender, nicht zu weit heruntergerauchter Zigaretten angeregt – und zwar auch, wenn diese Zigaretten rot eingekreist und mit einer roten Linie durchgestrichen sind. Noch das Verbotsschild stimuliert den Raucher! Ja, sogar der Ärger darüber, dass er nicht rauchen darf, verstärkt seine Rauchlust, wie ja überhaupt jedes Verbot eben das Verbotene präsent hält und dadurch letztlich eine Werbung für das darstellt, das die Verbietenden angeblich so heftig ablehnen. Raucher! In dieser Wirrnis wird eines helfen: Entschlusskraft und unbeugsamer Wille des Einzelnen.

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