Politik : Und was mache ich jetzt?

-

Von Axel Hacke

Ab und zu liest man in der Zeitung einen Satz, der bleibt einem im Gedächtnis. So war es mit diesem Satz von Josef Ackermann (Deutsche Bank): Deutschland sei „das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen“. Da möchte man als erstes darauf hinweisen, dass es im Lande ein paar Millionen Leute gibt, die jeden Tag halbwegs erfolgreich sind und dabei diesen und jenen Wert schaffen, ohne vor Gericht zu stehen, weder „deswegen“ noch aus anderen Gründen. Das geht. Man kann das hinkriegen. Zweitens ist dies ein Satz, der etwas verrät von jener seltsamen Welt, in der eine Menge Topmanager leben.

Das ist die Welt, in der Millionenbeträge „Peanuts“ sind, wie Herr Kopper sich mal ausdrückte, einer von Ackermanns Amtsvorgängern. Oder ein „Detail“, wie nun Herr Esser sagte, für dessen vorgezogene Altersversorgung seitens der Firma Mannesmann sich eine so großzügige Lösung fand – nachdem es ihm nicht gelungen war, unserem lieben Standortdeutschland eine wichtige Firmenzentrale zu erhalten. Es ist die Welt, in der CommerzbankVorstände ihren Leuten die Betriebsrenten streichen, gleichzeitig jedoch ihre eigene unbescheidene Altersversorgung selbst für den Fall der Insolvenz sichern. In der Aufsichtsräten wie Kopper bei Daimler-Chrysler die Bezüge auch dann mehr als verdoppelt werden, wenn der Unternehmenswert um 70 Prozent gefallen ist. Die Welt, in der man sich schon mal auf einem „Schlachtfeld mit hochgerüsteten Bataillonen und brachialer Gewalt“ wiederfindet und in „Situationen paranoiden Hasses“, wie der seinerzeitige Mannesmann-Aufsichtratschef Funk dem Landgericht erläuterte.

Es ist aber mit dem Begriff „Wert“ so, dass er nicht immer ökonomisch zu verstehen ist. Es gibt Werte, die werden nicht von Erfolgreichen „geschaffen“, sondern von der ganzen Gesellschaft – als allgemeiner Orientierungsmaßstab. Aus manchen dieser Werte werden Gesetze, an die muss man sich halten. Andere sind, wie soll man sagen?, einfach vorhanden, immer wieder werden sie im gesellschaftlichen Gespräch zur Geltung gebracht. Zum Beispiel die Frage, ob es eine Kaste von Managern geben sollte, deren Maßlosigkeit so groß ist, dass sie das Zutrauen zu jenem Kapitalismus zerstört, von dem sich diese Kaste selbst exzessiv gut nährt. Ob nicht diese Leute jeden Bezug zur Wirklichkeit verloren haben. Ob sie nicht in einer Bubenwelt leben, in der es dem Vorstandschef der Deutschen Bank angemessen erscheint, vor Gericht mit dem Victory-Zeichen zu erscheinen, als sei er Michael Jackson oder Eby Thust. Muss man nicht einen Weg finden, solche Leute daran zu erinnern, dass sie eine Verantwortung für das System tragen, in dem sie Werte schaffen dürfen? Ja, muss man.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben