Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

An der Krawatte ist interessant, dass sie ursprünglich als Kleidungsstück besonders draufgängerischer Männer galt, nämlich der Kroaten, die in der europäischen Kriegsgeschichte eine nicht geringe Rolle spielten. Sie wohnten an den Grenzen des Habsburgerreiches, als die Türken nach Europa vordrangen und waren deshalb in so ziemlich alle damaligen Händel verwickelt. Kroatische Reiterverbände dienten zu Aufklärungszwecken, sie ritten vor der Armee, verwegene und im Übrigen oft ungehobelte Kerle. In ganz Deutschland war das Wort „Kroate" oder „Kravot" nach dem Dreißigjährigen Krieg geradezu ein Synonym für einen rohen Burschen, und „Krabat" nennt man im Norden noch heute ein besonders wildes Kind.

Die kroatischen Reiter trugen aber um den Hals ein leinenes Tuch, das sie vorne zusammensteckten. Als der französische König im 17. Jahrhundert seine eigene leichte Kavallerietruppe aufstellte, berittene Aufklärer, nannte er sie „cravates royaux", königliche Kroaten – erkennbar nun auch am Krawattentuch. Von hier aus nahm die Krawatte ihren Weg ins Bürgerliche (war zwischendurch ein sportliches Accessoire, zu tragen auf dem Tenniscourt) und an die Hälse der Weltackermänner. Nun kam aber aus Davos als Nachtrag zum jüngst abgehaltenen World Economic Forum, dem bedeutendsten Treffen der Allerbedeutendsten, eigentlich doch eine Art Weltkrawattengipfel, kam also aus Davos die Nachricht: Dort sei als Dresscode erstmals „business casual" verordnet gewesen, also schlipsloser Anzug. Wer mit Krawatte erwischt wurde, hatte fünf Schweizer Franken pro Tag zu zahlen. Ergebnis: 10000 Franken! 2000 Tagessätze!

Seltsam: Es gibt also sehr viele Männer, die selbst bei Strafe nicht auf Schlips verzichten. Wahre Kroaten! Ihre Bußgelder gingen, auf 20000 Franken verdoppelt vom Präsidenten des Economic Forums, an Unicef. So wird Kindern geholfen von Männern, die sich nichts gefallen lassen. Man stelle sich vor: Wir würden die Krawattenlosigkeit bundesweit einführen. Fünf Euro täglich von jedem Schlipsmann! Allein Klaus Esser könnte sich mit seinen 30 Mannesmann-Mios sechs Millionen Krawattentage kaufen. Ackermann würde verdoppeln: zwölf Millionen. Damit könnte man umgerechnet ungefähr 658 Gleichgesinnten ein jeweils 50-jähriges Berufsleben lang die Krawattenerlaubnis finanzieren! Natürlich könnte Esser das Geld auch direkt Unicef spenden, aber er bekäme nichts dafür, höchstens eine Spendenquittung. Während er im gedachten Fall als einer dastünde, dem Geld nichts bedeutet, ein Leben als wilder, verwegener Kravot aber alles. Wenn wir noch bedenken, wie vielen Kindern Unicef mit dem Geld dringendst gebotene Hilfe leisten könnte… Es bleibt eigentlich keine Wahl. Das Krawattenverbot muss kommen.

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