Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

SPDVorsitzender, hat Franz Müntefering gesagt, sei „das schönste Amt neben dem Papst“. Das könnte zu Überlegungen über die Schönheit von Ämtern im Allgemeinen sowie des Heiligen Stuhls im Besonderen einladen, auch zu einer Betrachtung, die Unfehlbarkeit von SPD-Chefs betreffend.

Aber nebenbei erinnert es daran, dass es nie einen Papst Franz oder Francesco gegeben hat, seltsam. Einer der bedeutendsten Heiligen ist doch Franz von Assisi, der zwar eigentlich Giovanni Bernardone hieß, von seinem Vater aber immer „Francesco“ gerufen wurde, „der kleine Franzose“, denn seine Mutter war Französin, und der Kleine sprach perfekt französisch. Übrigens gab es auch, zumindest nach dem Krieg, keinen Genossen Franz, der es bis zum SPD-Vorsitzenden geschafft hätte, sie hießen Kurt, Erich, Willy, Hans-Jochen, Björn, Rudi, Oskar und Gerd, nie Franz. Bundeskanzler war auch keiner, außer in Österreich, da gab es Franz Vranitzky, den nannte man Vrantz.

Plötzlich aber finden sich zwei Franze in Schlüsselrollen dieses Landes, Franz Beckenbauer und Franz Müntefering, der eine seit eh und je, der andere seit kurzem mit unglaublichsten Heilserwartungen beladen.

Dabei ist Franz ein seltener Vorname geworden. In der ganzen Bundesliga gibt es nur einen Franz, der spielt in Wolfsburg, und Franz ist sein Nachname, gerufen wird er „Maik“. Könnte man nicht denken, viele Eltern hätten nach den Erfolgen des Kaisers ihre Söhne nach ihm benannt? Aber Eltern sind weitsichtiger, als man denkt, und wollen den Nachwuchs nicht mit Namen belasten. Als Waldemar Cierpinski 1980 in Moskau Marathon-Olympiasieger wurde, rief der DDR- Reporter Oertel ins Mikrofon: „Väter, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge Waldemar!“ Aber Waldemars kenne ich nur wenige, genau genommen keinen, außer Waldi Hartmann, und das hätte auch nicht sein müssen. (Oder gibt es irrsinnig viele Franze und Waldemars, aber alle kicken sie in der Kreisklasse oder brechen beim Joggen zusammen, niedergedrückt von Erwartungen?) Übrigens war der wirkliche Kaiser Franz, Österreichs Franz I. (1768 bis 1835), bei seinem Volke mindestens so beliebt wie unser Fußballfranz, obwohl er die Menschen durch seinen Metternich aufs Ekelhafteste bespitzeln ließ. Er war ein Schwermelancholiker und Pflanzenfreund (ein Nachtschattengewächs namens Franciscea ist nach ihm benannt) und wann immer er Zeit hatte, arbeitete er im Grünen, unterstützt von zwei Gärtnern, die seltsamerweise auch beide Franz hießen. Was das Politische und Militärische angeht, so galt er als entscheidungsschwach. Nichts charakterisierte ihn so wie sein oft wiederholter Satz: „Man hätt’ ja … können.“ Das klingt sehr nach dem „Schau’n ma amoi“ unseres Franz B., aber was es mit Franz M. zu tun hat …? Ähm, nichts, glaube ich.

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