Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Der Begriff des „Haltbaren“ tritt uns täglich im Begriff des „Mindesthaltbarkeitsdatums“ entgegen, das sich auf jeder Lebensmittelpackung findet. Man ist geneigt, dies als Garantie dafür zu nehmen, dass man das Verpackte ohne Schaden verzehren könne, so lange das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht erreicht sei. Logisch ist das nicht. Denn das Anhängsel bar, schrieb vor Jahren der Sprachwissenschaftler Gerhard Storz, „fügt dem Verbalstamm die Mitteilung hinzu, dass die von ihm bezeichnete Tätigkeit vorgenommen werden kann, dass der Zustand möglich ist“. Ein Gegenstand, der „tragbar“ ist, kann getragen werden, muss aber nicht, weil sich vielleicht kein Träger findet. So gesehen, bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum: Kann sein, dass sich’s hält, unmöglich ist es nicht. Wie wäre es mit: Mindestverzehrbarkeitsdatum? Nur ein Gedanke.

In diesen Tagen ist viel vom Haltbaren und Unhaltbarem die Rede gewesen, immer in Bezug auf Oliver Kahn. Jahrelang hieß es, er sei in der Lage, unhaltbare Fußbälle zu halten. Nun aber ließ er einen Ball ins Tor, den Roberto Carlos in – nach allgemeinem Urteil – haltbarer Weise geschossen hatte. Dies führt uns zur Frage: Gibt es eine absolute Haltbarkeit von geschossenen Fußbällen? Eine Art Mindesthaltbarkeit? Definitiv: ja. Es wird uns Woche für Woche in deutschen Stadien bewiesen: Man kann Bälle so schwach und ungenau schießen, dass jeder Torwart auf der ganzen Welt sie halten könnte, aber eben nur könnte, nicht muss, jedenfalls nicht im sprachlichen Sinne. Der jeweilige Trainer wird das anders sehen und einen Torwart, der viele haltbare durchlässt, für unhaltbar halten und auswechseln.

Nun die weitere Frage: Gibt es auch eine absolute Unhaltbarkeit von Bällen, eine Höchsthaltbarkeitsgrenze, jenseits derer ein Halten nicht torwartmöglich ist? Hmm … Ist eigentlich noch ein Leser anwesend? Ja, dort hinten! Also, liebster Freund, wie schrieb Kurt Lavall in meinem Lieblingsbuch „Berühmte Spieler, berühmte Tore“ über Beckenbauers 1:2 gegen England 1970 in Mexiko: „Unhaltbar für Englands goal-keeper Bonetti, den Ersatzmann für den erkrankten Gordon Banks.“ Ja, für Bonetti. Aber Banks, wäre er gesund gewesen: Hätte er sich nicht besser postiert? Wäre er nicht instinktiv der rechten unteren Ecke, welche B. traf, näher gewesen? Vielleicht. So ist es immer. Immer ist da ein „hätte“ oder „wäre“, und schließlich haben sich die unhaltbaren Bälle, die Kahn oft hielt, ja eben als haltbar erwiesen, indem er sie hielt, wohingegen die Haltbaren, die er durchließ, dadurch nicht unhaltbar wurden. Übrigens sollte es das Wort „unhaltbar“ nicht geben, weil es ein Verb „unhalten“ nicht gibt, an das man ein -bar anhängen könnte. Und es sind auch unhaltbare Lebensmittel undenkbar, äh, also: nicht denkbar. Aber genug, schönen Sonntag noch.

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