Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Wenn der Kenner die Zeitungen zur Hand nimmt und Sachen liest wie „größte Revolution unseres Lebens“, „Städte werden sich entvölkern“, „Bundesländer verwildern“, „den Erdball vergiftende Seuche“, „eine Macht, die unser Leben für immer ruinieren will“, „Schock und Chance“, „GroßAlarm und Kampf-Schrei“ – wenn der Kenner das liest, sagt er zur Frau am Frühstückstisch: Schatz, ich glaube, Dr. Frank Schirrmacher hat ein neues Thema entdeckt. Ein neues, erregendes, supergroßes Dr.-Frank-Schirrmacher-Thema, neuer, erregender und größer als das letzte, auch schon recht ansehnliche Dr.-Frank-Schirrmacher-Thema – was war es gleich gewesen? Jedenfalls ein Thema von Dr. Frank Schirrmacher, wie immer einer der Herausgeber der „FAZ“.

Diesmal haben wir es mit dem Alterungsprozess zu tun, der Deutschland zum europäischen Florida (19 Prozent Rentner) machen wird, in dessen Rahmen Hundertjährige nicht mehr Pflege-, sondern Normalfall werden, der uns überhaupt das Alleräußerste abverlangen wird. (Auch die Wölfe kehren ja zurück zu uns, uralte graue Wölfe auf der Jagd nach zähem deutschen Greisenfleisch.) Man lese das nach im „Methusalem-Komplott“, dem ganz und gar neuen Buch von…? Genau! Methusalem übrigens wurde, das war damals nicht unüblich, 969 Jahre alt. Er zeugte mit 187 seinen ersten Sohn, Lamech, welcher seinerseits 777 wurde und im Alter von 182 Noah zeugte, der dann die Arche baute, als Gott die Welt absaufen ließ – ein Vorgang, vor dessen Wiederholung uns Dr. Schirrmacher bitte in bewährter Art und Weise rechtzeitig warnen möge.

Was die bevorstehende Alterskatastrophe angeht: Es ist richtig, dass man heute schon schief angeguckt wird, wenn man mit vierzig stirbt. Ist es aber, wenn wir nun alle hundert werden, ist es dann vernünftig, Kinder bereits mit sechs in die Schule, mit 15 in eine Lehre, mit 18 in die Volljährigkeit zu schicken – wenn sich ein unübersehbares Erwachsenenleben anschließt? Das sind Daten aus Zeiten, in denen Menschen mit sechzig Greise waren. Sollten wir nicht erst mit 15 in den Kindergarten, mit 20 in die Grundschule gehen? Länger Kind sein? Uns in Ruhe entwickeln? Als Vierzigjährige Diplome machen, mit siebzig in Top-Positionen kommen? Eine neue Zeitverteilung anstreben! Das Dasein entschleunigen! Heute starten wir Vollgas in ein Leben, das nun bald im Unabsehbaren verläppert. Wir müssen ein neues Gleichmaß finden, uns allmählich für die Zeiten rüsten, in denen wir 200 werden, 300, dann 969, in denen wir mit 187 gemächlich erste Söhne zeugen, welche dann gar nicht mehr sterben. Wir müssen langsamer werden, vor allem ruhiger, auch wenn es schwer fällt, Dr. Frank Schirrmacher: bisschen ruhiger…

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