Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Vor Wochen ist den Iren das Rauchen in Pubs, Clubs und anderen öffentlichen Orten verboten worden – also wohl auch im Kino. Wie Leser von Bölls „Irischem Tagebuch“ wissen, durfte man in irischen Kinos rauchen, ja, Böll war der Meinung, „es würde wohl einen Aufstand geben, würde man das Rauchen im Kino verbieten, denn die Leidenschaft des Kinogehens ist bei den Iren mit der des Rauchens gekoppelt“. Hat es einen Aufstand gegeben? Nichts gehört. Dafür las ich in der Zeitschrift „TVdirekt“, Stanton Glantz von der University of California habe festgestellt, in amerikanischen Filmen werde geraucht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In den achtziger Jahren sei der Zigarettenkonsum auf 4,9 Zigaretten pro Kinostunde zurückgegangen, nun liege er wieder bei 10,9.

Als erstes muss man dazu sagen, dass einige der besten Filme ohne Tabak unvorstellbar wären. Orson Welles soll mal gesagt haben, er mache Filme nur, weil er da umsonst Zigarren rauchen könne; aus diesem Grunde schreibe er in die Skripts so viele Zigarren rauchende Helden hinein – und die Drehbücher hätte er ohne Rauch auch nicht verfassen können. Paul Auster sagte, die grundlegende Idee zu seinem Film „Smoke“ sei ihm beim Öffnen einer Dose Schimmelpennincks gekommen, „sie kam buchstäblich aus dieser Zigarillodose“. Kein Maigret ohne Pfeife, kein Marlowe ohne Zigarette, kein Groucho Marx ohne Zigarre. Ein Foto zeigt Elia Kazan, wie er an der Schreibmaschine seinen Roman „The Arrangement“ zum Drehbuch umarbeitet – Zigarre im Mund. Lucky Luke musste eine Weile statt auf der Zigarette auf einem Grashalm kauen, das dauerte nicht lange, es ging einfach nicht.

    Dann natürlich „Casablanca“. Bevor Bogart zum ersten Mal erscheint, sieht man seine Hand, wie sie sich auf einen Aschenbecher zu bewegt, zwischen Daumen und Zeigefinger: Zigarette. Alle rauchen in „Casablanca“, Rick, Captain Renaud und Major Strasser, nur die Frauen nicht, im ganzen Film sieht man keine Frau an einer Zigarette ziehen. Immer seien die Zigaretten in „Casablanca“ Masken, „hinter denen verängstigte Männer ihre Zweifel, ihre Feigheit, ihr Zaudern und ihre Impotenz verstecken“, schreibt Richard Klein in „Schöner blauer Dunst“, einem der besten Bücher übers Rauchen. Und was sei die Zigarette, so Klein, anderes als die Verkörperung des wichtigsten Songs in diesem Film: „As Time Goes By“? Na ja, in „TVdirekt“ steht auch, die Zigarettenindustrie gehe wieder zum verbotenen Product Placement über, überall erkenne man wieder deutlich die Marke, die der Held raucht. Sie greifen wieder an, was, die Industriebosse? Und nun ist die Lage so, dass in irischen Kinos im Publikum nicht mehr, aber wieder auf der Leinwand geraucht wird. Wetten, dass bald viele Iren Schauspieler werden wollen?

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