Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Glück, sagt man, sei das Einssein des Menschen mit seinen Hoffnungen, Wünschen und Erwartungen. Wenn das so ist, gibt es zwei Wege dorthin. Erstens: Man rackert und wütet, bis sich so viele Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen wie möglich erfüllt haben. Zweitens: Man schraubt Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen Stück für Stück herunter, bis sie so nahe wie möglich an der Wirklichkeit sind schon ist man glücklich. Könnte sein, dass das der leichtere Weg ist, was? Man muss nicht so viel tun. Im vergangenen Jahr gab es ja eine Umfrage, deren Ergebnis war: Die glücklichsten Deutschen wohnen in Osnabrück. Riesen-Überraschung! Osnabrück! Was hat Osnabrück, das andere nicht haben, dachte man. Ob es vielleicht die Menschen sind, die nicht so viel hoffen, wünschen, erwarten? Nicht New York, nicht München, nicht mal Berlin – nur’n bisschen Osnabrück?

Jedenfalls hat in diesem Jahr Starnberg gewonnen. Osnabrück ist auf den vierten Rang gerutscht, hinter Starnberg eben, der Gegend um Frei- und Offenburg sowie Freising. So steht das im „Stern“. Auf dem letzten Rang: Dessau, wie immer. Die letzten 23 Plätze belegen nur Ost-Regionen, die allerletzte unglückliche westdeutsche Stadt ist Gelsenkirchen. Übrigens entdeckt man bei näherer Betrachtung, dass nicht nach Glück gefragt wurde, sondern ob man in dem Ort, wo man lebe, „sehr gut“ leben könne. Das ist mehr eine Art Zufriedenheit, eigentlich was anderes als Glück, obwohl – vielleicht ist das in Deutschland schon dasselbe? Man fragt sich: Wenn jetzt so eine Art Zufriedenheits-Bundesliga etabliert wird, mit einem deutschen Zufriedenheits-Meister Jahr für Jahr (ach, wie weit käme der in der Champions League des Glücks?) – wie kommt man da eigentlich nach vorn?

Wer am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ teilnimmt, weiß ja in der Regel, was zu tun ist: Balkone bepflanzen, Vorgärten harken, Hauptstraße kopfpflastern, solche Sachen. Aber zufriedenste Stadt? City of Happiness? Man müsste nicht nur an der eigenen Stadt arbeiten, sie schöner machen, sondern Bürger anwerben, die von Haus aus zur Zufriedenheit neigen. Die nicht so viel wollen. Leute wie Johannes B. Kerner oder Rosi Mittermaier. Wer weiß, wie viele Osnabrücker gegen schöne Transfersummen nach Starnberg geholt wurden? Man müsste mit Bürgern ein Zufriedenheits-Training machen, große Zufriedenheits-Coaches aus dem Ausland holen, Holländer, Dänen, Leute, die uns einbleuen: Be content! Kann man absteigen aus der Liga? Wohin mit Dessau? Nehmen die für ein Jahr an anderen Zufriedenheits-Wettbewerben teil? In Moldawien? Oder der Ukraine?

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