Politik : Und was mache ich jetzt?

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Von Axel Hacke

Neulich las ich irgendwo eine kleine Zeitungsmeldung: dass große Menschen generell im Beruf mehr Geld verdienen als kleine Personen. Oder waren es schöne Menschen, die bessere Einkommen haben als nicht so schöne? Weiß nicht mehr, weiß nicht mehr. Was hätte es auch für einen Sinn, das zu wissen? Soll man zum Chef gehen und sagen: „Hören Sie, ich bin einsvierundachtzig und viel größer als Kollege B., geben Sie mir also mehr Gehalt!“ Oder: „Chef, sehen Sie meine strahlenden Augen, meine Idealnase, mein griechisches Profil? Macht zehn Prozent Lohnaufschlag!“ Das hat doch keinen Sinn. Aber im „New Yorker“ stand kürzlich ein weitschweifiger Artikel über die Frage, wie es möglich sei, dass der durchschnittliche Amerikaner heute 1,76 Meter groß sei, der normale Nordeuropäer (Holländer, Schwede, Finne) aber fast acht Zentimeter höher in den Himmel rage. Selbst die Japaner, einst die Kleinsten in der industrialisierten Welt, hätten mittlerweile zu den Amerikanern aufgeschlossen.

Wie kommt das? Hat es damit zu tun, dass so viele Chinesen und Mexikaner nach Amerika einwandern? Nein, solche Immigranten wurden in die Studien nicht einbezogen. Hat es mit dem Durchschnittseinkommen zu tun? Nein, das war in den USA in den vergangenen Jahrzehnten nicht geringer als in Nordeuropa. Kommt es aber vielleicht von der ungleichen Verteilung dieses Wohlstands? Das, sagen Wachstumsforscher, könnte die Antwort sein: Acht Millionen Amerikaner ohne Job, vierzig Millionen ohne Krankenversicherung, fünfunddreißig Millionen unter der Armutsgrenze – das bleibt nicht ohne Folgen für Ernährung und Gesundheit vor allem im Kindesalter.

Und Ernährung und Gesundheit sind nun mal die wichtigsten Voraussetzungen für ein ordentliches Wachstum. Also zieht die Unterklasse den statistischen Schnitt in die Tiefe. Kommt hinzu: die Neigung zum Fast Food, welche auch Wohlhabendere eher in die Breite als in die Höhe gehen lässt.

Was heißt das für uns? Deren Kinder in Schuhen stehen, die unseren Vorfahren als Ruderboote hätten dienen können? Wenn die Wirtschaft schrumpft, das Gesundheitssystem schlechter wird, die Zahl der Arbeitslosen steigt, der Süden prosperiert, Ost/West/Nord im Elend versacken: Werden dann schon unsere dereinst erwachsenen Urenkel sich hilflos nach den Haltegriffen in der U-Bahn recken? Vor anderthalb Wochen tauchte ein Kurzgeratener namens Jeremies in der Verteidigungsreihe der Nationalmannschaft auf, dort, wo einst Abwehr-Recken ihr Haupt drohend erhoben. Der Kanzler ist kein großer Mann, der Außenminister geht wieder in die Breite – was bahnt sich an? Ein Zwergen-Komplott? Ein Land von Schrumpfgermanen? Von müden, alten Gnomen, die verwirrt durch leere Städte irren?

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