Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Seit einiger Zeit fleht man uns Deutsche an, in großem Umfang in den Erwerb von Gegenständen aller Art einzusteigen, Geld mutig auszugeben, den Wirtschaftsmotor anzukurbeln. Bitte, das bezogen wir immer auf die größeren Scheine, die wir feige unter Kissen stapeln und auf Bankkonten verfaulen lassen, statt sie – dem Amerikaner gleich – ohne Rücksicht auf das eigene Schicksal in die Konsumzentren zu tragen. Nun aber bittet uns die Bundesbank (erstmals in der Geschichte), unsere „Kleinmünzenbestände" auszugeben.

Denn die Wahrheit ist: Die Deutschen horten nicht bloß Scheine, sie verwahren auch Ein, Zwei-, Fünf-Cent-Münzen in so großer Zahl, dass wir vielleicht nicht fern sind von jenen Zuständen, die Italienreisende aus der Lira-Zeit noch kennen, in der man im Tabacchi-Laden Wechselgeld in Form von Pfeffermünzbonbons erhielt. Bereits ist die Lage auf dem Münzmarkt so angespannt, dass die Bundesbank im europäischen Ausland Cent-Münzen kaufen musste. Das muss man sich vorstellen, wir kaufen Kleingeld in Italien oder Frankreich, das geht, seit es den Euro gibt, aber seltsam ist es doch.

Warum horten wir Münzen? Nun, da die Bundesbank unser Geheimnis enthüllt hat, sagen wir frank und frei: Wir lieben das Dagobertgefühl, mit einem Kopfsprung in unsere kleinen Geldspeicher zu hechten, wie Maulwürfe darin herumzugraben und uns die harten Münzlein auf den Kopf prasseln zu lassen. Das ist mit Geldscheinen nicht zu machen, das Feeling auf der Haut ist nicht das gleiche..Ich habe es probiert, speziell kleinere Euroscheine kratzen widerlich, ich bekam Eurodermitis davon. Hingegen: Sich morgens im Bad von einer Vertrauten einen Eimer mit Centstücken über den Kopf gießen zu lassen – das ist unvergleichlich! Wenngleich es früher mit Pfennigen schöner war, doch die gibt es nicht mehr. Schade, aber wahr.

Dass uns mal das Kleingeld knapp werden würde. . . Wie weit ist es mit diesem Land gekommen! Immer schon haben wir Münzen gehortet, wir konnten nicht anders, der Deutsche hat eine Hamsternatur. Aber die Pfennige gingen nie aus, immer kamen neue und wieder neue auf den Markt, und wenn das Wochenende nahte, konnten wir in Ruhe die kleinen Geldsäulen auf den Fußböden unserer Wohnung hin- und herschieben oder einen neuen Münzzähler testen. Samstags bereiteten wir uns ein heißes Groschenbad, und die Sonntage vergingen im Familienkreis mit Münzspielen aller Art, Fuchsen zum Beispiel: Wer warf das Fünfmarkstück am nächsten an die Wohnzimmerwand?

Und nun fordern „die Währungshüter“ („FAZ“) uns die Münzen ab. Es ist nichts Gutes am Euro, die Italiener haben wahrscheinlich Wechselgeld in Hülle und Fülle, uns aber nimmt man die kleinen Freuden, unsere Traditionen, althergebrachte Spiele.

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