Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Die Lage der deutschen Wirtschaft lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen: Überall auf der Welt, von Usbekistan bis Vietnam, verdienen Arbeiter weniger Geld als bei uns. Zweitens: Überall auf der Welt, vor allem in Amerika, verdienen Manager mehr Geld als hier. Die Folge: Immer mehr Produkte müssen aus Kostengründen irgendwo zwischen Usbekistan und Vietnam hergestellt werden. Die Arbeitslosenzahl steigt.

Für die deutschen Manager, die überall auf der Welt (vor allem aber in Amerika) mehr Geld verdienen könnten, ist deshalb weniger Geld da. Bereits musste man ihnen bei DaimlerChrysler die Bezüge um zehn Prozent kürzen, Beginn eines verheerenden Prozesses. Denn jetzt steht die ganze Welt, vor allem aber die Amerikaner, vor den Türen dieser Männer und wedelt mit Blankoschecks, von deren Akzeptieren die Herren nur durch hohe moralische Befähigung abgehalten werden.

Wird das reichen? Was soll sie halten? Warum sollen sich deutsche Manager mit der Führung eines Volkes abgeben, dessen Angehörige keinen anderen Gedanken kennen als den, mehr verdienen zu wollen als Menschen anderswo. Auch Herr Esser, der von der Schaffung weiterer Werte in aller Welt nur durch einen abscheulichen Prozess abgehalten wurde, der ihn am Ende gar zur Lektüre eines zum Umgang mit Geld so wenig befähigten Dichters wie Eichendorff nötigte, auch Esser ist bald für Aufgaben frei, die seinem polyglotten Wesen entsprechen.

Was haben wir zu bieten, wenn es kein Geld ist? In dieser Stunde hilft ein Artikel der „Zeit“, in dem über einen Vortrag des Althistorikers Eck berichtet wird, die Verkehrsregeln im alten Rom betreffend. Es habe dort, so Eck, weder Schilder noch Ampeln gegeben, vielmehr die Grundregel, wonach Vorfahrt hatte, wer Ansehen und Macht besaß. Zum Beispiel gab es Sklaven als „menschliche Hupen“, die den Herren ihren Weg frei brüllten. Wäre das eine Lösung? Vorfahrt für Manager? Arbeitslose als Humanhupen, die das ohnehin Hupenhafte eines Charakters wie Jürgen E. Schrempp richtig zur Geltung bringen würden?

Man bedenke, dass der Kanzler Otto „Römerkopf“ Schily nur vom Umzug in die Toskana abhalten konnte, indem er zusagte, er könne mit Blaulicht durch Berlin brausen, wann immer es beliebe! Ist nicht Blaulicht viel wertvoller als Geld? Wir müssen Managern Dinge bieten, die andere nicht haben: Adelstitel (Fürst Schrempp zu Sindelfingen, Ritter Joe von Ackermann auf Frankfurt), ungewöhnliche Ferien (Kanzler vermittelt Urlaube bei Bruno Bruni), Wochenendkurse in moralisch einwandfreier Lebensführung (Wolfgang Thierse spricht), eigene Fernsehsendungen auf Phoenix, innige Freundschaften (wir alle sind bereit!). Nur von der Einführung der Sklaverei (die unbestreitbar kostengünstig wäre) würden wir vorerst absehen, aus rechtlichen Gründen.

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