Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Nicht mehr zu zählen waren die Interviews des großen Bruno Ganz vor dem Kinostart des „Untergang“. Haben Sie das Böse in sich entdecken müssen, Herr Ganz? War Ihr HitlerBärtchen echt, Herr Ganz? Und hatte Hitler Charme, Herr Ganz? Was war sein Geheimnis, Herr Ganz? Hatte er – Sex? Herr Ganz? Das musste ja so kommen: dass man am Ende bei diesen Fragen landet! Unermüdlich gab Ganz seine Auskünfte, Mal um Mal hörten wir die Geschichte vom Sohn, der von der Rolle abriet, von dem Linzer Jungschauspieler, der Dialekt-Unterricht erteilte, und davon, wie es war, Eva/Juliane mitten auf ihre Plapperlippen zu küssen. Am eindrücklichsten aber war wieder Eichinger mit seinem Satz, Hitler sei am Ende „eine kuchenfressende Ruine“ gewesen. So schön gesagt und einprägsam.

Nicht, dass wir nicht von seiner Kuchensucht gewusst hätten. Joachim Fest zitiert in „Der Untergang“ eine Sekretärin: „Sein Heißhunger auf Kuchen war geradezu krankhaft geworden. Während er früher höchstens drei Stücke Kuchen aß, ließ er sich jetzt den Teller dreimal hochgefüllt reichen.“ Das klingt nach Endstadium. Hatte nicht übrigens Hitler am 19. Juli 1941 (wie man in den Quellen nachlesen kann) im engsten Kreis über die Eroberung und Beherrschung Russlands gesagt: „Grundsätzlich kommt es darauf an, den riesenhaften Kuchen handgerecht zu zerlegen, damit wir ihn erstens beherrschen, zweitens verwalten und drittens ausbeuten können.“Am Ende war er dann vom Kuchen beherrscht. Das wüssten wir nun also auch.

Übrigens war natürlich die Frage, was nun, da der Film in den Kinos läuft, Bruno Ganz macht mit all dem erlernten Zeug, dem Hitler-Gezetere und Parkinson-Gezittere, der Tobsucht und dem rollenden Rrrr. Einfach vergessen? Das könnten wir doch alle nicht. Jeder von uns würde, wenn ihn der Kellner im Café wieder nicht beachtet, obwohl man ihm schon dreimal mit Gesten aller Art gewunken hat, jeder von uns würde doch dann der Versuchung nicht widerstehen können und es anrollen lassen, das Rrrr und alles andere, heraustoben würden wir es: „So brrringen sie mirrr endlich meine Torrrtä! Und nicht nurrr ein einzelnes Stöck, sonderrrn drrrei Tellerrr, hoch geföllt.“

Bruno Ganz aber antwortete auf die Frage der „Weltwoche“, ob er nicht, auf einer Party oder allein im Wald, den Hitler noch einmal heraus holen würde: „Wo denken Sie hin!“ Und wenn die Freunde drängelten: Komm schon Bruno, mach uns noch mal den Führer? „Da kann kommen, wer will.“ Aber dann erkundigte sich der „Stern“, ob es wahr sei, dass er sich in Drehpausen gelegentlich „mit einem Hitler-Winken bedankt“ habe, und Ganz sagte: „Kann sein, dass ich das gemacht habe.“ Ja, ja, das Böse in uns, dieses banale Böse.

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