Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Es sind nicht viele Nationen, aus deren Landesnamen im Deutschen ein Verb geworden ist. Außer den Amerikanern, die immer alles amerikanisieren, ist dies im Grunde nur den Türken widerfahren (und vielleicht noch den Polen, insofern man etwas umpolen kann, wenn man Plus und den Minuspol vertauscht, aber das nur nebenbei). Man kann nichts italienern oder koreanern, man kann nicht briten oder herumjapanern, aber man kann etwas türken. Wobei zu beachten ist, dass nicht so sehr die Türken selbst türken, sondern eben die Deutschen.

  In Zeiten, als man sich hier vor nichts mehr fürchtete als vor den Türken und ihren Armeen, wurden gern Steuern für den einen oder anderen Feldzug gen Stambul ausgeschrieben – dafür waren die Leute bereit zu zahlen. Das Geld wurde aber nicht selten für andere Zwecke ausgegeben – so was nannte man unter Finanzexperten „einen Türken bauen“, eine Redewendung, die es im Militärischen schon gab. Da mussten jene, die im Manöver den Feind (also den Türken) darzustellen hatten: „einen Türken stellen“. Und im 16. Jahrhundert nannte man in England einen Pappkameraden, auf den man bei Übungen schoss, einen „Turk“.

 Das ist alles vorbei, die Türken stehen nicht mehr vor Wien, sondern leben unter uns, in die EU werden sie auch noch kommen, und getürkt werden heute nicht mehr Manöverfeinde – sondern? Zahlen zum Beispiel. Interessanterweise sind die Besten (jedenfalls die Engagiertesten) im Türken heute ausgerechnet die Griechen, von deren Großathleten manche im Verdacht stehen, sogar Olympiasiege mit Dopingmitteln getürkt zu haben. Und deren Finanzminister, als es darum ging, des Euro teilhaftig zu werden, die eine oder andere Etatziffer so türkten, dass selbst die ausgefuchstesten EU-Experten nicht lange herumbrüsselten, sondern die neue Währung auch in Athen und Umgebung einführten.

  Das ist nun alles ans Licht gekommen. Was wird geschehen? Werden nicht auch die Ergebnisse der griechischen Fußballer bei der EM einer Untersuchung unterzogen werden müssen: ob da ein Enkel Euklids und Pythagoras’ an der Ergebnistafel hantierte? Werden wir uns, nachdem wir den Athenern so großzügig Herrn Rehakles zur Verfügung stellten, auch mal einen griechischen Finanzminister leihen dürfen, um unsere eigenen Defizite ein wenig zu frisieren? Sollte man nicht kurzerhand die Griechen in der EU einfach durch die Türken ersetzen?

  Und wenn das schon nicht geht, wie wäre es, man substituierte wenigstens das Verb „türken“ durch das viel gegenwartsnähere „griechen“? Aber täte man das, wie konjugierte man „griechen“? Er griecht den Etat, er groch den Etat, er hat den Etat gegrochen? Oder: Er griechte, er hat gegriecht? „That’s all greek to me“, sagt dazu der Brite, es sind mir alles böhmische Dörfer.

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