Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Lang ist’s her, da hatte jeder Hund etwas zu tun, einen richtigen

Beruf. Schäferhunde bewachten Schafe, Dackel hetzten Dachse aus dem Bau, Pudel jagten Enten. Die Doggen kämpften in großen Schlachten, man betrachte nur bei Gelegenheit den berühmten Wandteppich von Bayeux, da muss irgendwo eine Dogge sein, Teilnehmerin der Battle of Hastings – wann, bitte? (Pssst: 1066 n. Chr.) Friedrich Louis Dobermann, Hilfssteuerexekutor in Apolda, züchtete sich Hunde zur Begleitung bei Besuchen säumiger Zahler und benannte sie nach sich selbst – vierbeinige Mahnbescheide mit Gebiss sozusagen.

Die Rottweiler waren Metzgerhunde, sie mussten Rinder treiben und den Fleischwagen ziehen, die Schnauzer hingegen widmeten ihr Leben im Dienst von Fuhrleuten und Stallknechten dem Kampf gegen Ratten, die den Pferden ans Futter wollten. Und es ist nicht lange her, dass Fußballtrainer Terrier züchteten, um sie in der Defensive einzusetzen, Berti hieß der Berühmteste.

Das ist ja alles vorbei. Die meisten Hunde verbringen ihr Dasein heute als Freund eines Menschen, und nur manchmal, wenn sie eine Ente sehen, eine Ratte oder einen Fußballstürmer, entsinnen sie sich ihrer einstigen Bestimmung. Bloß die Bernhardiner, dachten wir, die Bernhardiner haben noch zu tun, droben am Großen St. Bernhard, wo sie im Schnee Verschüttete suchen, um ihnen einen guten Schluck anzubieten. Nichts da! Die Mönche, die am Pass ein Hospiz betreiben und auch Bernhardiner heißen, wollen ihre jahrhundertealte Bernhardinerzucht verkaufen, weil sie Wichtigeres zu tun haben als Hunde zu züchten. Wichtigeres?! Was ist wichtiger als die Suche nach einem Lawinenopfer?! Die Seelsorge, sagen die Bernhardiner-Mönche. Sie, die Mönche, seien (anders als die Bernhardiner-Hunde) vom Aussterben bedroht, nur noch zu viert im Hospiz, es gibt ja keine Zucht für Bernhardiner-Mönche. Weil das so ist, müssen sich die vier um Menschenseelen kümmern, nicht um Hundezucht. Und für Lawinenopfer gibt es die Bergrettung, die hat keine Bernhardiner, sie sind viel zu schwer, man nimmt lieber Schäferhunde.

Ganz früher, als es noch keine Skier gab, da war der Bernhardiner gut, weil er unbeirrt durchs Gestöber eine Spur in den Schnee stampfen konnte für die Retter. Allein der berühmte Barry, der von 1800 bis 1814 lebte, rettete 40 Menschenleben, seine Nachfahren mehr als 2000. Der erste Hund in der Geschichte des Hospizes wird übrigens 1703 erwähnt, da hatte der Küchenmeister ein Laufrad konstruiert, in das er einen Hund sperrte, der den Bratspieß drehte. Das wird kein Bernhardiner gewesen sein. Angeblich waren ja die Hunde früher selbst so fromm, dass sie vor ihren Futternäpfen warteten, bis das Amen des Tischgebetes gesprochen war. Na ja, das ist nun auch vorbei.

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