Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Immer wieder machen sich Regierungen am Kalender zu schaffen, die französischen Revolutionäre zum Beispiel, die zwölf neue Monate mit unübertroffen herrlichen Namen wir Floréal oder Fructidor einführten – Napoleon schaffte sie wieder ab. Oder, jüngstes Beispiel: Turkmenistans Diktator Saparmurat „Turkmenbaschi“ Niyazov, der den Januar nach sich selbst, den April nach seiner Mutter und den September nach seinem Gedichtband „Ruchnama“ benannt hat, dessen Verse die Turkmenen selbst im Rahmen ihrer Führerscheinprüfungen auswendig lernen müssen.

Jüngstes Beispiel? Ach, wir haben ja die Regierung Schröder, welche zwar nicht beabsichtigt, die Monate nach ihren Mitgliedern Eichel, Struck oder Trittin zu taufen… Hey, sind das nicht aber schöne Monatsnamen? Stolpe (ein Herbstmonat), Clement im Frühjahr, Schily im heißen Sommer. „Heute, am 7. WieczorekZeul, beschloss das Kabinett...“ Das klingt nicht so toll, aber es sind dreizehn Minister und zwölf Monate, ein Name bleibt ohnehin übrig.

Das wirklich Interessante ist, dass diese Leute den 3. Oktober abschaffen wollten. Einen ganzen Tag! Bundespräsident Köhler (wie das nach November riecht! Köhler!) schrieb an den Kanzler: „Der 3. Oktober als Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit ist wichtig für die Zukunft unseres Landes und sollte erhalten bleiben.“ Liest man den Satz grammatisch genau, erfährt man, was geplant war: Der 3. Oktober sollte nicht nur als Feiertag, sondern überhaupt verschwinden. Man hatte vor, „den einzigen Freudentag der Deutschen aus dem Kalender zu streichen“ (Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Beck).

Welches Vorhaben! Uns! Den einzigen Freudentag! Zu nehmen! Nach dem 2. Oktober wäre direkt der 4. gekommen, ein beispielloser Vorgang, seit Papst Gregor XIII. bei der Einführung des Gregorianischen Kalenders auf den 4. Oktober 1582 den 15. Oktober folgen ließ, um über Jahrhunderte aufgelaufene Ungenauigkeiten alter Kalendersysteme auszugleichen.

Heute will man uns ganze Tage nehmen, um gewisse, in wenigen Jahrzehnten entstandene Ungenauigkeiten der Etatplanung verschwinden zu lassen. Man hört, so eine Streichung bringe 0,1 Prozent Wachstum, ein Jahr lang. Kann sein, dass nun der Mai am 2. Mai beginnt oder dass nach dem Pfingstsonntag ein Dienstag kommt, was?

Schröder! Wissen Sie was!? Schnappen Sie sich den Oktober insgesamt und den November dazu! Nehmen Sie das ganze Jahr, streichen Sie’s, das sind 36,5 Prozent Wachstum, ein letztes Mal, juppheidi! Lassen Sie uns drei, vier Stunden um Silvester, das reicht, sich zu besaufen. Verkaufen Sie das deutsche Jahr in toto an die Japaner, die haben immer zu wenig Zeit, und stopfen Sie das Geld in irgendwelche Löcher. Ist doch egal. Ist alles egal.

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