Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Die ganze Welt ist voller Listen, überall versucht der Mensch, das Chaos des Lebens zu ordnen mit Rankings und Tabellen. Denn das wäre ja das Schlimmste: dass wir den Überblick verlieren, was? Oder jedenfalls das Gefühl, einen Überblick zu haben. Die Bundesliga ordnet den Fußball, „Focus“ das deutsche Ärzte und Anwaltswesen, das Guinness-Buch die Welt der Rekorde. Und dann gibt es ein Wirtschaftsmagazin namens „Forbes“, das Jahr für Jahr die Reichen und Superreichen des Erdballs neu sortiert, so dass man weiß, ob gerade Bill Gates vor Warren Buffett oder wieder Warren Buffett vor Bill Gates liegt. Und welchen Platz unsere lieben Aldi-Brüder Karl und Theo Albrecht gerade einnehmen, die seltsamerweise bei „Forbes“ manchmal als eine Person gewertet werden, obwohl sie nicht mal Zwillinge sind.

Fachleute interessieren sich dann noch für die Frage, wie Tiong Hiew King aus Malaysia von Rang 336 im Jahr 2001 auf nunmehr Platz 552 abstürzen konnte – der Mann scheint eine Art VfL Bochum unter den Schwerreichen zu sein. Oder wo Olav Thon steht, nein, nicht Olaf Thon, der früher bei Schalke spielte, sondern Olav Thon, Norwegens Immobilienkönig. Und ob es Joanne K. Rowling unter die ersten 500 geschafft hat (nein, schade).

Was aber diese Woche eine richtige Überraschung war: Arafat. Platz neun auf der Forbes-Liste der reichsten „Royals and Rulers“ – hinter Elizabeth II. und Königin Beatrix. Man erfuhr das en passant aus Artikeln über die Erbstreitigkeiten am Totenbett, und das erstaunte den Laien denn doch, der die Forbes-Listen nicht Tag für Tag studiert. Zwar wusste jeder, der es wissen wollte, von der Korruption des PLO-Systems, das es einer Clique von Günstlingen ermöglichte, in allerhand Saus und Braus zu leben, während die meisten Palästinenser nicht genug Geld für neue Schuhe haben. Und das mit dieser Armut zynisch kalkulierte, weil man dafür auch die Israelis verantwortlich machen konnte.

Aber Platz neun! Gemeinsam auf einer Liste mit König Fahd von Saudi-Arabien und dem Sultan von Brunei! Und dann die Überraschung, wen man auf dem zehnten Rang findet: Fidel Castro! Noch einer, der sein Volk darben lässt und sich öffentlich in abgetragenen Uniformen zeigt, während man ihn auf 150 Millionen Dollar taxieren darf. Arafat lag bei 200, anderen Schätzungen zufolge bei 300 Millionen Dollar, mindestens, zusammengerafft aus Steuern der Palästinenser, Subventionen aus dem Irak des Menschenfreundes Saddam – und aus Zahlungen der EU? Versickert im Dunkel eines Kontensystems, das nur einer samt ein paar Helfershelfern durchblickte, ausgegeben für Firmenbeteiligungen und, von Frau Suha, in den Schuhgeschäften von Paris.

Schon wieder Chaos, in das aber Listen wirklich keine Ordnung bringen – diesmal jedoch ein bisschen Licht.

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