Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Der neue Vorsitzende des Rates für Rechtschreibung, Zehetmair, hat sich zu der Frage, ob man das Wort „Ketchup“ in Zukunft auch „Ketschup“ schreiben darf, dahingehend geäußert, ihn habe „das Wort Ketchup nie ereifert, weil ich das Produkt nicht mag“, es sei „ein grässliches Wort für eine grässliche Sache“. Das ist eine interessante Haltung den Wörtern gegenüber. Würde man sich Zehetmayers Meinung anschließen und sie noch ein wenig zuspitzen, wäre es fast gleichgültig, wie man ein Wort schreibt, wenn man entweder dieses Wort nicht mag oder den Gegenstand, den es bezeichnet. Schriebe der Schüler im Diktat statt „Kriegsführung“ etwa „Kriechsfürunk“ oder „Kriksfyrong“, könnte er den Mäkeleien des Lehrers mit den Worten begegnen: „Finden Sie nicht auch, dass es ein scheußliches Wort ist? Und eine widerliche Sache?“ Ist es das, was Zentnermayer will? Lassen wir das dahinstehen. Aber ein Wort zum Ketchup. Grässliche Sache? Haben Sie wirklich, Zetermeier, je die ganz unerhört zarte Fruchtigkeit eines mit Apfelmark aus Bohnäpfeln zubereiteten Ketchups geschmeckt? Und sagen Sie, Centmayor, steckt hinter ihrem Geschimpfe nicht der alte AntiAmerikanismus der Konservativen? Wussten Sie nicht, dass der Ketchup in Amerika wirklich weite Verbreitung erst durch einen Sohn deutscher Einwanderer erfuhr, Henry John Heinz, mit dessen Erbe heute noch in den USA Präsidentschaftskampagnen vernünftiger Männer finanziert werden? So viel zur Sache, verehrter Cehetmaja. Nun etwas über das Wort „Ketchup“, welches eine durchaus ehrwürdige Geschichte besitzt. Es hat seine Ursprünge im Wort „ketsiap“ oder „koechiap“, womit man schon im China des 17. Jahrhunderts eine Sauce aus gesalzenem Fisch, Muschelfleisch und Gewürzen bezeichnete. Als dieses Gemisch auch bei den Malaien bekannt wurde, nannten diese es „kechap“ oder „ketjap“, sie malaiifizierten den Begriff gewissermaßen, ehrwürdiger Tse Het Ma Ya.

Die Engländer brachten das nach Europa, nannten es „Catsup“ oder „Catchup“ oder „Ketchup“, variierten aber in Ermangelung asiatischer Gewürze die Zutaten mit Champignons, Walnüssen und Essiggurken. Byron erwähnt das in seinem Gedicht „Beppo“, und Dickens schwärmt in „Barnaby Rudge“ von „lamb chops with plenty of ketchup“. Erst in Amerika kam die Tomate ins Spiel, welche dort übrigens von einem gewissen Thomas Jefferson zuerst angebaut wurde.

Was ich sagen will, lieber Mister C. Hettmyer, das Wort „Ketchup“ hat schon viele Variationen erlebt, da wird es die eine auch noch vertragen. So ist das nun mal mit Wörtern, die um die ganze Welt gehen.

Selbst der „Schweinebraten“ heißt in Berlin „Schweinebraten“, in München jedoch „Schweinsbraten“. Aber das wissen Sie nun wirklich selbst am besten, Hans Zehetmair.

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