Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Nun haben wir wichtige Tage hinter uns, Weihnachten, Silvester, Neujahr, aber der allerwichtigste Tag ist doch heute. Der 2. Januar. Der Tag einerseits, an dem wir uns langsam in den Alltag 05 hineinzuseufzen beginnen, das Datum andererseits, an dem auf Frauen und Männer, die nach dem Gregorianischen Kalender leben, erste große Prüfungen warten. Man hat sich ja etwas vorgenommen. Man will ja nicht einfach so weiter machen. Man möchte ein anderer werden, stärker, schöner, gesünder. Näher ans eigene Selbst rücken, nicht entfremdet vor sich hin schuften, dieses ganze SpirituellSinnhafte stärker in die eigene Daseinsführung, ähm, integrieren. Vielleicht auch die Lebensgefährtin nicht mehr betrügen.

Und eben nicht mehr saufen und mal wieder mit dem Rauchen aufhören, was? Der 2. Januar ist der Tag der Gefahr. „Der Vorsatz ist ja der Erinnrung Knecht, / stark von Geburt, doch bald durch Zeit geschwächt“, heißt es im „Hamlet“. Den ersten Tag des Jahres hat man moralisch unangefochten hinter sich gebracht, war mit physischer Entgiftung beschäftigt, nun rufen die alten Geister wieder aus den Ecken: Ein Glas, Mann...! Wer das Leben nicht zu genießen versteht, wird nicht alt.

Bisschen Rotwein tut dem Herzen gut. Zigarettchen entspannt, muss auch sein. Diese Sprüche.

In der „Elle“ las man vor einigen Wochen, der Umsetzung insbesondere im Weihnachtsurlaub gefasster Pläne sei es dienlich, wenn man Freunde einweihe. Oder sich selbst nach Hause eine Karte schreibe, auf der die neuen Ideen verzeichnet seien. Gab es nicht im Sozialismus diese Selbstverpflichtungserklärungen der Kollektive? Wie wäre es nun, man probierte es mal als Individuum mit dieser Sache? Also eben nicht nur die Freunde über die guten Vorsätze unterrichten, sondern alle Nachbarn! Handzettel im Kiez verteilen, auf denen es heißt: „Ich, H., bin seit 1.Januar Nichtraucher. Wenn Sie mich trotzdem rauchen sehen, sprechen Sie mich an und machen mich auf mein Missverhalten aufmerksam.“ Oder ein Plakat aus dem Fenster hängen, darauf geschrieben steht: „Hier wohnt H. Er joggt seit dem 1. Januar jeden Tag. Loben Sie ihn, wenn Sie ihn durch die Straßen traben sehen. Wenn Sie ihn nicht sehen, dürfen Sie ihn straffrei aus seiner Bude klopfen. Er muss!“ Auch auf die Möglichkeit regelmäßig-kostengünstiger Zeitungsinserate mit Bekanntgabe der persönlichen Gewichtsentwicklung sei hingewiesen.

So etwa. Man muss sich dem Risiko der Blamage aussetzen, dann wird alles gut. Es geht nicht nur um die Intensität von Vorsätzen. Man darf sich nicht auf stillen Kampf mit dem Selbst beschränken. Man muss Sanktionen schaffen. Öffentlichkeit. Die Möglichkeit, Gespött zu sein, lächerliche Figur. In diesem Sinne: Vorwärts zu besseren Blutwerten! Für einen kämpferischen 2. Januar!

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