Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Was ist der aussichtsloseste Beruf? Mit den schlechtesten Perspektiven? Nun…

Hundert Jahre noch, dann wird es keinen Winter mehr geben, hat der Klimaforscher Latif gesagt. Dann werden die Menschen, wenn das Wort „Winter“ fällt, zum Lexikon greifen und lesen, „Winter“ sei die „Jahreszeit zwischen Herbst und Frühling“ gewesen. Sie werden rufen: „Was denn, zwischen Herbst und Frühling gab es mal eine Jahreszeit!“ Ja, davon habe der Uropa erzählt, werden die Alten sagen, alles sei weiß und kalt gewesen, man habe übers Wasser gehen können, die Bäume hätten keine Blätter gehabt, und nach dem 21. Dezember habe es einen 22. Dezember gegeben, einen 23. und einen 24. und so weiter, es habe keinesfalls gleich der 22. März begonnen wie jetzt. Das Jahr habe zwölf Monate gehabt, nicht neun, also drei Monate mehr, und in diesen drei Monaten sei „Winter“ gewesen. Man habe ein Fest namens „Weihnachten“ gefeiert, es sei da um die Geburt eines Kindes gegangen…

„Was denn?!“, werden die Menschen rufen. „Ein Kind?!“ Sie werden in hundert Jahren nicht mehr wissen, was ein „Kind“ ist. Schon jetzt hätten ganze Bevölkerungsgruppen in Deutschland keinen Kontakt mehr zu Kindern, sagt die Meinungsforscherin Köcher. Diese Bevölkerungsgruppen erschrecken sehr, wenn sie kleine Menschen mit Schnullern sehen. Sie denken, diese Wesen seien aus Computerspielen abgehauen und könnten sich jeden Moment in tödliche Energiefelder verwandeln. In hundert Jahren werden die Menschen im Lexikon nachsehen, was ein Kind war, und sie werden erfahren, das sei ein Mensch zwischen Geburt und Pubertät gewesen. Das wird sie erstaunen, weil sie alle eines Morgens in einem Bett aufwachten, wo eine Pflegerin ihnen noch ein paar Kabel vom Körper entfernte, bevor sie sich auf den Weg zum ersten Arbeitstag machten.

Sie werden lernen, dass man in Deutschland eines Tages die Kinder abgeschafft hat: Man war immer nur unzufrieden mit ihnen, sie lagen in den Pisa-Tests hinten, und überhaupt waren sie zu teuer, man brauchte das Geld für den Straßenbau und Harald Schmidts neue Sendung. In alten Büchern wird man noch lesen können, dass die Kinder früher vom Storch gebracht wurden und dass Störche Zugvögel waren, aber…

Das werden sich die Leute in hundert Jahren nicht mehr vorstellen können: Diese fetten Vögel mit Schwabbeldoppelkinn unter dem Schnabel und dicken Schweinebeinen, die in den warmen brandenburgischen Seen das ganze Jahr kiloschwere Ochsenfrösche fangen und mit Seilwinden in ihre Nester auf den Dächern gebracht werden müssen – die sollen fliegen gekonnt haben?! Tausende von Kilometern?! Hö.

Genug. Wie war die Frage? Der aussichtsloseste Beruf...? Skilehrer für Kinder. Wie machen sie’s, dass sie immer gute Laune haben, die Tonis, Hansis!?

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