Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Zu den wenigen Gewissheiten, die man noch hat, gehört: Wenn zwei gläserne Bierkrüge aneinander stoßen, macht es klick oder klack oder klonk; wenn man aber eine Weinflasche öffnet, macht es plopp. Natürlich machen auch altmodische Bierflaschen mit Bügelverschluss plopp, aber da ist immer das kleine Nebengeräusch der Metallhalterung, ein bierkrughaftes Klick, das bei erfahrenen Nutzern den Irrtum ausschließt. Weitere Getränkesounds: Coladosen produzieren ein reißendes Zisch, Kronkorken auf Bierpullen ein von flachem Zosch begleitetes Kracks, Plastikverschlüsse auf Saftkartons ein hohles, kratzendes Krocks. Dreht man Sirupflaschen auf, hört man klares, unverwechselbares Schraubschraubschraub.

Das nur nebenbei. Wichtig die klare Trennung: Bierkrüge klick, klack, klock, Weinflaschen plopp. Damit haben wir gut gelebt.

Nun aber kehrte vergangene Woche Herr Ludwig Hagn (Beruf: Wiesnwirt) von einer Dienstreise nach Moskau zurück und brachte die Idee aus Plastik gefertigter Oktoberfestbierkrüge mit, welche die bisherige Glasmaß ersetzen könnten. Der Vorteil wäre, dass Hagn erstens nicht mehr pro Wiesn 21 Tonnen Glasscherben zusammenkehren lassen müsste, und dass zweitens das Ausmaß der Schädelverletzungen bei Maßkrugschlägereien ein geringeres wäre. Die Polizei begrüßte Hagns Vorschlag. Die Münchner Säufer aber hämmerten ihre Stirnplatten vor Wut auf die Stammtische. Fast zeitgleich wurde auf der Messe „Pro-Wein“ in Düsseldorf ein GlasStopfen für Weinflaschen mit dem Innovationspreis „Ei des Columbus“ ausgezeichnet. Das Weingut Schloss Vollrads im Rheingau gab bekannt, es werde in Zukunft die Hälfte seiner Produktion mit Glas statt Korken verpfropfen.

Würde sich dies alles durchsetzen, hörte man in Zukunft beim Öffnen von Weinflaschen nur klick statt plopp, beim Zusammenstoßen von Maßkrügen hingegen wäre ein Plopp statt des Klicks zu hören. Verkehrte Welt.

Berichterstatterin Haasis von AP gab zu bedenken, für die meisten Weintrinker sei „die Erotik des ’Plopps’ fast so wichtig wie der Flascheninhalt“. Im Feuilleton der FAZ erschien eine Glosse, in der unter anderem an „jenes irdische Klirren“ der Krüge erinnert wurde, „das dem metaphysischen Vorgang des Eintauchens der unteren Gesichtshälfte in die Schaumkrone vorangeht“. Wobei man gern Zeuge wäre, wie’s aussieht, wenn der FAZ-Kulturredakteur sein Bier trinkt, indem er die untere Gesichtshälfte in die Schaumkrone taucht. Direkt gesellschaftsfähig scheint die Gewohnheit nicht zu sein. Aber es war ja metaphysisch gemeint.

Bleibt nichts mehr, wie es war? Nur dass wir jedem Plopp und Klick weiterhin ein Gluck folgen lassen, alles andere wäre auch ein Ungluck, hihi. Auf jeden Fall jetzt mal: Prost! Oder Proust? Schlussss jezz – upp…

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