Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Nun werden wir bald ein Konklave haben, das letzte war vor 27 Jahren, jetzt freut man sich richtig darauf. Übrigens ist interessant, dass in der vergangenen Woche noch der entlegenste Fernsehsender aus irgendeinem Seitentrakt seines Redaktionsgebäudes einen verstaubten Kirchenredakteur herbeizauberte, der in flüssiger Rede zu erläutern wusste, wann genau welcher stellvertretende Untercamerlengo oder Nebenpönitentiar welche seit Jahrtausenden festgelegten Handlungen nach dem Papsttod vorzunehmen habe, von der Vernichtung des Siegelringes bis zur Versiegelung der Privatgemächer.

Diese Kirchenredakteure hatten etwas Prinzcharleshaftes: 27 Jahre auf den großen Auftritt gewartet! Bis dahin nur im Nachtprogramm mal einsdreißig über eine Enzyklika gesprochen. Bald, wie gesagt, das Konklave: tagelanges Starren auf einen Schornstein. Wortreiche Interpretation von Rauch. Alles wird sich gelohnt haben.

Auch in den Kirchenfernen unter uns erwacht jetzt ein gewisses, wenn auch eher sportliches Interesse am Papsttum. Wer wird vorne liegen? Tettamanzi, der freundlich-scharfsinnige Milanese? Scola, der großherzige Patriarch von Venedig? Dias, der verschwiegene, doch eloquente Mann aus Bombay? Bergoglio, der Jesuit aus Buenos Aires? Oder gar Ratzinger, der Vielsprachige aus Altötting? Arinze aus Nigeria nicht vergessen, den Polyglott-Umtriebigen! Und Sodano, der vatikanische Außenminister, bitte, Italiener sind die klassischen Kompromisskandiaten bei Papstwahlen.

Ja, man liest dies und jenes und eignet sich jenes schnell wieder erlöschende Halbwissen an, mit dem man dieser Tage überall mitquatschen kann, wie zu anderen Zeiten über die Europäer im Ryder-Cup der Golfer oder die Mutation von Grippe-Erregern oder die Schuld am Tode Dianas.

Konklave. Man fühlt eine Sympathie für das Geheimnisvolle aufflackern. Dass eine wichtige Sache nicht live übertragen wird. Dass mit Exkommunikation bestraft wird, wer etwas herausschwatzt. Dass Stimmzettel verbrannt werden, übrigens unter Beigabe trockenen Strohs, wenn weißer Rauch erzeugt werden soll. Man kann ja heute alles sehen, ob Fischer im Untersuchungsausschuss oder die Elenden in ihren Fernsehcontainern oder den sterbenden Papst – nur wählende Kardinäle werden wir nie und nimmer zu Gesicht bekommen. Auch eine Art von Show. Das genießen wir mal. Sogar Fenster werden versiegelt und Vorhänge zugezogen; 1978 soll im Konklave eine Luft zum Ersticken geherrscht haben. Wenn die „fumata“ aufgestiegen ist, der weiße Rauch, begibt sich der Kardinalprotodiakon auf die Benediktionsloggia von St. Peter und spricht: „Habemus papam“. Die Loggia befindet sich direkt über dem Mittelportal. Was ein Kardinalprotodiakon ist, muss ich noch nachschlagen.

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