Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Überall liest man, die Deutschen seien frustriert von der Politik, sie wendeten sich von den Parteien ab, beteiligten sich nicht mehr in so großer Zahl wie einst an Wahlen und überhaupt. Zweitens wissen wir alle, dass der Biermarkt schrumpft, die Leute trinken immer weniger Bier, sie wenden sich vom Bier ab, weiß der Geier, was sie eigentlich noch gern trinken, Bier ist es nicht mehr. Da lag es nun einerseits nahe, dass der CSUGeneralsekretär, dessen Name mir gerade nicht einfällt, nun Formulare für Mitgliedsanträge auf Bierdeckel hat drucken lassen – ein Verlierer gesellt sich quasi zum anderen, zumal in Bayern der Bierdeckel traditionell „Bierfuizl“ heißt, also Bierfilz oder besser Bierfilzchen, wobei wir über den Filz wieder bei der Politik wären.

Andererseits fragt man sich, ob die Sache erfolgversprechend ist. Ob man nicht besser Mineralwasserdeckel bedrucken sollte, um in einen wirklich boomenden Markt mit großen Perspektiven einzusteigen. Aber die CSU scheint sich gerade vom Biertrinker was zu versprechen, von seiner gesenkten Hemmschwelle vielleicht und von einem gewissen, durch Alkohol beförderten Leichtsinn. Man könnte die Aktion unter das Motto „Von der Bier- zur Karteileiche – sei dabei!“ stellen, aber darauf ist natürlich der CSU-Generalsekretär (wie hieß er doch gleich?) nicht gekommen, und jetzt ist es zu spät. Jetzt läuft die Aktion, mit welcher der CSU-Generalsekretär (sein Name? Haaach …) die bayerische SPD unter die Fünf-Promille-Grenze zu drücken hofft.

Übrigens denkt man ja bei Bierdeckeln sofort an diese Leute, die alles sammeln, von Briefmarken bis zu Plastiktüten und eben Bierdeckeln. Wenn man im Guinness-Buch nach dem Mann mit der größten Bierdeckelsammlung sucht, stolpert man zuerst über Leute wie Niek Vermeulen aus Holland, der die größte Flugzeug-Spucktüten-Sammlung der Welt sein Eigen nennt: 2112 verschiedene Flugzeug-Spucktüten. Das wäre natürlich noch eine weitere Fläche für CSU-Mitgliedsanträge. Ein netter Slogan („Kotzt dich Rot-Grün auch an?“) auf der einen Seite, auf der anderen das Formular – und ab die Post.

Die größte Bierdeckelsammlung besitzt nun aber der Österreicher Leo Pisker mit sage und schreibe 152 860 Stück. Davon träumt die CSU natürlich. Mehr als 150 000 neue Mitglieder! Die Mitgliederkartei möchte man dann allerdings nicht verwalten, allein vom Geruch würde man schon so betrunken, dass einem der Name des Generalsekretärs nicht mehr einfällt.

Letzte Nachricht: Hans Eichel plant, den Bundesetat mit einer Sondersteuer auf Bierdeckel zu sanieren, reiner Zufall, sagt er, er schwöre beim Sparbuch seiner Mutter, von der CSU-Aktion nichts gewusst zu haben.

Allerletzte Nachricht: Guido Westerwelle möchte FDP-Mitgliedsanträge auf Schuhsohlen drucken lassen.

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