Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Seit geraumer Zeit wird uns in den Zeitungen immer wieder eine herrliche Zukunft versprochen, in der Roboter eine zentrale Rolle spielen: Haushaltsroboter werden unser tägliches Leben in einer Weise erleichtern, dass … Also, es wird wunderbar. Saugroboter reinigen Teppiche, Rasenmähroboter kürzen Gras, Schuhputzroboter wienern unser Schuhwerk, Hausschlappenbringroboter tragen Pantoffeln herbei, Badewassereinlassroboter bereiten die Wanne vor, Bierholroboter unterstützen uns beim Fernsehen, während auf der Terrasse schon der Grillroboter zu Werke geht und der Wespentöteroboter seine Verheerungen unter den Insekten anrichtet.

Das Seltsame ist nur: Alles bleibt immer Zukunft, es wird nie Gegenwart. Ab und zu wird einem in Prospekten ein vollautomatischer Staubsauger angeboten, aber den kauft man nicht, weil man ahnt: Er wird nicht funktionieren. Oder man liest einen Bericht aus Japan über irgendwelche Roboterhunde, deren Köterseelen man selbst programmieren kann, indem man ihnen einen Chip entnimmt, diesen in ein Gerät steckt, dort neue HundeEigenschaften eingibt, um den Chip dann wieder zurückzustecken. Aber wenn man nie einen Hund wollte…

An der Carnegie Mellon University in Pittsburgh soll es seit den frühen neunziger Jahren einen Kaffeeholroboter namens „Xavier“ geben, den man in die Kantine schicken kann, wo er in der Schlange wartet, bis er an der Reihe ist. Sobald ein Kaffee auf seinem Tablett steht, surrt er zurück. Ja, an der Universität! Und bei uns zu Hause? Noch immer müssen viele Menschen heiraten, um jemanden zu haben, der ihre Spülmaschinen ausräumt.

Nun entnehmen wir dem Wissenschaftsmagazin „Nature“, ein Mensch namens Hod Lipson von der Cornell University habe einen sich selbst reproduzierenden Roboter entwickelt, ein Gerät, das nichts anderes könne, als sich selbst innerhalb weniger Minuten aus wenigen Bestandteilen nachzubauen – wobei ein Roboter entsteht, der wiederum zu nichts anderem imstande ist, als sich zu klonen.

Das ist nun doch die Höhe! Während wir auf Erleichterung im Alltag und Einlösung jahrzehntealter Versprechen warten, sitzen US-Forscher in Büros herum, lassen sich von ihren Xaviers einen Kaffee nach dem anderen holen und bauen Roboter, die Roboter bauen, die Roboter bauen, die… So sieht also unsere Zukunft aus! Wir kaufen einen Roboter, gehen zur Arbeit, dann kommen wir nach Hause, öffnen die Tür, und im Flur stehen schon zwölf dieser Selbstreproduzierkisten, jede baut sich selbstvergessen gerade selbst nach, gleich werden es 24 sein und dann 48 und bald 96, in der Wohnung ist kaum noch Platz, und einer von den Apparaten schaut uns mit seinen Roboterglupschern blöde an wie ein Krokodil bei der Paarung und fragt schnarrend: „Was. Wollen. Sie. Hier?“

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