Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Man wird nun doch ein bisschen melancholisch bei dem Gedanken, dass im nächsten Jahr beim großen FußballWahnsinn vielleicht nicht Gerhard „Acker“ Schröder und die Seinen den Vorsitz führen werden. (Sondern eine Frau, aber das nur nebenbei.) Das wäre etwas gewesen, das sie richtig gut gekonnt hätten, Clement vom VfL Bochum, Schily von der Spielvereinigung Unterhaching sowie unser nun eiligst wieder dem Wahlkampf entgegen schrumpfender Außenminister, der ja aus dem Gedächtnis alle möglichen Spiele nacherzählen kann, und sei es Benfica Lissabon gegen Real Madrid vor mehr als vierzig Jahren. (Wobei übrigens Madrid bis kurz vor Schluss führte, Lissabon dann aber doch noch 5:3 gewann, einem kleinen, im Alter dicklich gewordenen Mann namens Eusébio sei Dank. Aber das nur nebenbei.)

Und natürlich eben Schröder, der seinerseits als Mittelstürmer für TuS Talle … Aber das wissen wir ja alle. Das haben wir ja oft genug gehört.

Ob sie das wirklich bedacht haben, als sie die Sache mit den Neuwahlen auskochten? Dass sie eben nicht mehr Schirmherren sein werden? Dass sie vielleicht nicht mal so ganz leicht ins Stadion … ? Könnte sein, dass auch dieser Kanzler mal ein Blackout hatte und kurz nach der Wahl-Ankündigung in hysterischer Stimmlage seinen Steinmeier anrief und schrie: „Die WM! Wir haben die WM vergessen! Nächstes Jahr ist doch die WM!“ Und dass er hinzufügte: „Guck mal nach, ob die Karten für mich schon da sind! Sind die auf den Namen ausgestellt? Steht was von ,Bundeskanzler’dabei?“

Oder hat er ein wirkliches Opfer gebracht? Hat er wirklich und bei vollen Sinnen seine WM-Teilnahme auf dem Altar des Gemeinwohls geschlachtet? Das wäre doch … Nun ja, es hätte Größe. (Bitte, 2006, wir sehen dann Frau Merkel – dies nur nebenbei – auf seinem Sitz, wie sie mit Interesse heuchelndem Blick dem Geschehen folgt.) Ich meine, er ist 1963 zusammen mit einem Freund per Anhalter nach Bern gefahren, um das Wankdorf-Stadion mal mit eigenen Augen zu sehen, und irgendwo hinter dem Kanzleramt hat er eigens ein Stück Berner Rasen eingegraben. Und er hat im letzten Spiel für TuS Talle fünf Tore in einem Spiel geschossen, mit Ankündigung, „die sollen da rein“, hat er vorher gesagt. Sein Rechtsaußen hieß Marx, Burkhard Marx.

Vielleicht könnte ihn die Merkel als Urlaubsvertretung nehmen, die Sache findet im Sommer statt, da könnte sie in der Uckermark schwimmen gehen, und er und Otto und Wolle und Joschka und Münte säßen auf den Tribünen wie in alten Zeiten. Wenn er verspricht, in der Zeit die Finger von allen Gesetzen zu lassen? Oder Klinsmann nimmt ihn als Betreuer. So einen, der die Kühltasche mit den Energy-Drinks verwaltet. Oder ein bisschen den Gegner beobachtet. Oder als Motivationstrainer? Er kann ja reden. Er hat ja Ahnung. Und er hat’s doch auch verdient.

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