Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Scharapowa stöhnt so laut wie ein Flugzeug bei der Landung“, stand dieser Tage in der „Welt“, und ich dachte: Ist es möglich, dass dir das bisher entgangen ist – dieses Geräusch, das Flugzeuge bei der Landung machen?! Ein Stöhnen, ja, das gequälte Aufseufzen des Vogels, der vom Himmel auf die Erde zurückgezwungen wird, vom Steigen, Schweben, Segeln zu banalem Rollen genötigt, man müsste es doch schon mal vernommen haben. Dass hingegen die Scharapowa stöhnt, war bekannt, es ist nicht zu überhören. Aber warum eigentlich ächzt sie bei jedem Schlag wie ein erschöpfter Waldarbeiter?

Erhöht Stöhnen die Schlagkraft? Ist es die Lust am Sport oder das Gegenteil? Hat sie die Schnauze voll vom ewigen Geploppe? Oder soll das Geräusch die Gegnerin irritieren, wie einst der SchachWeltmeister Petrosjan die Nerven seiner Gegner zerstörte, indem er Geräusche aller Art machte, mit wechselndem Rhythmus seinen Kaffee rührte oder Münzen über den Tisch rollte? (Wenn der Gegner Ähnliches versuchte, schaltete der Schwerhörige sein Hörgerät ab.)

Man weiß es nicht. Man würde es auch gar nicht hören, würde das Publikum in Wimbledon mit „Quiet, please!“ nicht extra zum Schweigen gebracht, so dass aus der Stille des Courts heraus das Grunzen der Scharapowa erst richtig schwalbenhaft frei in den Himmel steigen kann. Seit Connors hirschähnlich auf dem Platz herumröhrte und Monica Seles ihr beidhändiges Ballgewuchte mit einem geradezu geschrieenen, an das Brüllen eines gefolterten Esels gemahnenden Stöhner begleitete („I’d hate to be next door to her in her wedding night“, sagte dazu Peter Ustinov), sehnt man sich gelegentlich zurück in Zeiten, in denen Björn Borg selbst nach dem Spiel keinen Ton von sich gab, der Mann schwitzte nicht mal, er war aller Körperäußerungen bar. Unvergessen auch die Jahre, in denen unser Bobele, mit sich selbst hadernd, nicht auf den Platz hinaus, sondern ins eigene Innere hinunterbrüllte: „Mist! Rüpa! Dä Pall muss rüpa!“

Der Sport und die Geräusche. Kugelstoßer, auch Speerwerfer schreien wie schlecht narkotisierte Zahnpatienten, als könne ihr Gerät auf den Schwingen eines „Aaaaaahhh“ weiter und weiter fliegen. Formel-1-Fahrer haben noch beim Einschlafen ein leises „brmmmm, brrrrmm“ auf den Lippen, und Michael Schumachers Schnarchen klingt angeblich wie das „Vroooammm“ eines Ferraris auf der Geraden.

Andere hingegen… Dass Skifahrer auf der Piste nichts von sich geben, liegt nahe – „wenn i abfahr, muss i d’Lippen zsammhalten, sonst pfeift mir der Wind eini“, sagte dazu Rosi Mittermeier. Aber warum fliegt der Turmspringer nicht mit Jauchzen ins Nass? Wieso schreit der Golfer dem Drive nichts Anfeuerndes hinterher? Warum hört man von Fechtern nie ein „Nimm das! Und diesen!“ beim Säbelhieb? Ewige Rätsel des Sports! Was wird heute übertragen?

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