Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Nun ist Wahlkampf, man merkt es daran, dass immerzu von „den Menschen“ die Rede ist. „Die Menschen“, das sind wir, oder? Der Thüringer CDUGeneralsekretär Mohring sagt: „Wir müssen den Menschen vermitteln, dass wir sie mitnehmen.“ Und von Angela Merkel liest man, sie finde es wichtig, „die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abzuholen“. Dazu gleich mal eine Bemerkung: Wir möchten nicht abgeholt werden. Wir möchten auch nicht mitgenommen werden, zu keiner Uhrzeit und schon gar nicht in unserer Lebenswirklichkeit. Wir bleiben, wo wir sind. Wir reisen, wohin wir möchten. Wir nehmen mit, wen wir mögen. Nur damit das klar ist. Aus der Lebenswirklichkeit abholen! So weit kommt’s noch. Wohin soll’s denn gehen?

Zweitens ist jüngst immer wieder davon gesprochen worden, den Wahlkampf der CDU zu teilen, also im Osten so zu reden, im Westen so, ganz wie es „den Menschen“ jeweils gefallen könnte. Im Rahmen dieser Debatte las man in der „Frankfurter Allgemeinen“ die Schlagzeile: „Merkel soll ostdeutscher werden“.

Ein Weilchen grübelt man, ob die Redakteure sich vertippt haben, und es sollte heißen: „Merkel soll Ostdeutscher werden“. Das wäre die Forderung nach einer Geschlechtsumwandlung, um in letzter Minute die Herrschaft einer Frau in Deutschland zu verhindern. Ein Fall für die Ethik-Kommission!

Wenn es aber so gemeint war, wie es da stand, fragt man sich: Was ist deutsch? Erst mal so was wie eine Ortsbezeichnung, was? Tucholsky hat sich mal darüber aufgeregt, dass zu seiner Zeit „deutsch“ eine Art Qualitätsbezeichnung sein sollte: Deutscher Mann war guter Mann. „Der Ursprungsort, der in den meisten Fällen selbstverständlich ist“, schrieb er, „wird in eine positive Bewertung umgelogen, und das ganze Land kriegt mit der Zeit den Größenwahn.“ So war’s dann auch.

Und nun „ostdeutsch“. Bisschen faul wie Ullrich, bisschen zauselig wie Thierse, bisschen schulz wie Schulz? Bisschen revolutionär oder eher so’n Duckmäusertum? Man muss doch wissen, was man steigern will. Ostdeutscher, am ostdeutschesten – ein bisschen klingt es letzten Endes wie: „Allgemeine soll Frankfurter werden.“ Das kann keiner wollen.

Jedenfalls werden in Deutschland jeden Tag Komparative und Superlative von Wörtern gebildet, bei denen das nicht geht, gerade erst las man, ähm, im „Tagesspiegel“, der Gazastreifen sei „das dichtbevölkertste Gebiet der Welt“, dabei ist er nur am dichtesten bevölkert. Und Heiner Geißler hat über Angela Merkels Kleidung mal gesagt, „am besten“ stehe ihr das klassische Kostüm, „noch besser“ aber der Hosenanzug. Damit wäre sie dann, möchte man hinzufügen, noch gut aussehender…

Sagen wir es so: „Deutsch“ ist in erster Linie eine Sprache, die von den Menschen in Deutschland gesprochen wird. Von manchen gut, von anderen besser.

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