Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Manchmal denkt man zurück an die Zeit, als Armstrong und der andere – hieß er nicht Aldrin? – auf dem Mond landeten. Und wie wir uns damals die Zukunft vorstellten. Wenn es nämlich Wirklichkeit sei, dass Menschen den Mond beträten und dort kleine und sogar große Schritte zu machen imstande seien, dann werde es gewiss, so dachten wir, im nächsten Jahrtausend möglich sein, auf dem Mond zu leben und Salat zu pflanzen oder zumindest Bratpfannenfabriken zu bauen, und natürlich, Formen des Tourismus zu haben, Reisen für Leute, die schon immer die Erde aus sehr großer Entfernung betrachten wollten, um daheim sagen zu können: Schatz, du glaubst nicht, wie klein unser Planet ist, wie zerbrechlich, blau und unbedeutend, aber auch schööön, und erst da oben ist mir klar geworden, dass wir ganzganz fest zusammenhalten müssen.

Aber nun haben wir das nächste Jahrtausend, zum Mond fliegt überhaupt keiner mehr, stattdessen zittern wir um Astronauten, denen der Hitzeschild an ihrer Raumfähre kaputt gegangen ist. Immerzu zittert man. Der Weltraum ist zu einer Art Riesenstudio für RealityZitter-Shows geworden, er liefert Vorlagen für Hollywood und Gesprächsstoff fürs Frühstück: diese armen Astronauten! Und Mrs. Collins hat Kinder, nicht wahr?! Erinnert sich jemand an die Mir? Die unglaubliche russische Weltraumschrottstation, auf der immer das Klo verstopft war und man Brände mit nassen Handtüchern erstickte? Unvergesslich der schwermütige, von Herzrhythmusstörungen geplagte, Tubenborschtsch lutschende Commander Ziblijew und sein Kampf mit abgebrochenen Siebzehnern, porösen Modulen und klemmenden Luken. Und wie der Astronaut Andrew Thomas eintraf und feststellte, der für ihn bereit gehaltene russische Raumanzug sei zu klein. (Man wird nämlich größer und breiter in der Schwerelosigkeit, aber irgendwer hatte das vergessen). Einmal brüllte einer aus dem Funk, man solle ihn sofort zur Erde holen, er arbeite nicht länger „mit einem Zombie“. Da musste man fürchten: Der macht die Tür nicht mehr auf, wenn der andere zurückkehrt vom Weltraumspaziergang.

Was man nun, nach Jahren, erkennen muss: Es geht im Weltraum nicht anders zu als bei uns, bloß sind die Folgen schlimmer. Wären schlimmer. Die Hälfte seiner Zeit ist man mit der Reparatur von etwas beschäftigt, das unser Leben leichter, schöner, bunter machen sollte. Man brüllt mit Leuten in Hotlines herum, kontrolliert Leuchten an Modems, macht Neustarts an müden Rechnern und versucht zu ergründen, warum der neue Drucker alles in Spiegelschrift ausdruckt, obwohl man nicht für den „Spiegel“ arbeitet. (Aber für den Tagesspiegel, hey, ist es das? Tagesspiegelschrift?)

Wie cool die Leute in der IRSS sind! Wie gut gelaunt immer noch! Vielleicht ist das die Botschaft aus dem Weltraum? Ruhig bleiben?

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