Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Man stelle sich ein Land vor, in dem Jahr für Jahr eine Umfrage nach den am besten angesehenen Berufen veranstaltet würde. Gleichzeitig würde man sich nach den Berufsgruppen mit dem miserabelsten Prestige erkundigen. Wäre es nicht logisch, dass man mit dem Ergebnis auch etwas über das Gehaltsgefüge in diesem Land erführe? Dass also die Leute mit den hochrespektierten Jobs am meisten Geld verdienen – wäre logisch, oder?

Zufällig gibt es in Deutschland eine solche Umfrage des Institutes Allensbach. Hier die drei Berufe mit dem besten Image: 1.) Arzt, 2.) Krankenschwester, 3.) Polizist. Die Branchen mit den miesesten Werten: erst Politiker, dahinter Fernsehmoderatoren, auf dem letzten Rang Gewerkschaftsführer. Interessanterweise ist es so, dass die Bezahlung von Krankenschwestern und Polizisten nicht der Rede wert ist und dass nun auch Ärzte gegen ihre Ausbeutung in den Krankenhäusern demonstrieren. Wohingegen von speziellen Notlagen der Politiker und Moderatoren wenig bekannt ist. Dass es Gewerkschaftsführern nicht schlecht geht, weiß jeder seit den BörsenEngagements des einstigen IG-Metall-Bosses Steinkühler.

Woran liegt das alles? Wahrscheinlich daran, dass Prestige gleich Macht ist. Ärzte, Schwestern, Polizisten haben täglich erfahrbare, notfalls hilfreiche Macht. Gewerkschaftsführer haben sie nicht (jedenfalls aus Sicht der Gewerkschaftsmitglieder), Politiker ohnehin nicht, jeder spürt das. Das Dumme: Man kann sich notfalls eine Welt ohne Gewerkschaftsbosse und Fernsehmoderatoren vorstellen. Aber ohne Politiker? Sollen wir uns selbst regieren? Bisschen anstrengend.

Also brauchen wir Politiker. Also ist die seit langem grassierende Politiker-Verachtung nicht nur wohlfeil, sondern richtig billig. Der Schriftsteller Genazino hat sich gerade in der „taz“ als „Wahlzyniker“ bezeichnet und mitgeteilt, für ihn seien Regierungen nichts „als vorübergehende Zusammenrottungen alter Männer zwecks Weitergabe veralteter Probleme an andere alte Männer“. Nun werden auch die Schriftsteller populistisch, ach je!

Wie wäre es mit der Einsicht, dass Politiker erstens eitel, gierig und korrumpierbar sind – also nicht anders als wir? Und dass sie zweitens auch deswegen machtlos sind, weil die Deutschen zwar jeden Tag dreimal nach Reformen rufen, dann aber, wenn diese sie selbst betreffen, jederzeit hinhaltenden Widerstand leisten? Man ist bald so weit, eine Art Muttertag für Abgeordnete zu fordern, da würde man ihnen das Frühstück in die Fußgängerzonen bringen, wo sie unter kleinen Schirmen stehen. Hatten die Gewerkschaften nicht mal eine antirassistische Initiative mit dem Titel „Mach meinen Kumpel nicht an“? Mach meinen MdB nicht an – das wär’s! Im Übrigen: Krankenschwestern müssen besser bezahlt werden.

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