Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Das Ruck und Racker-Gerede nimmt kein Ende mehr, gerade hat auch noch die große Kampagne „Du bist Deutschland“ begonnen, dabei hatte es in „Bild“ vor kurzem noch geheißen „Wir sind Papst“. Muss man denn alles selbst machen? „Wir brauchen in Deutschland wieder einen neuen spirit von risk taking“, sagt zum Kampagnen-Start Florian Langenscheidt. Warum spricht der Mann so seltsam? Ach, er ist Wörterbuch-Verleger.

Du bist Deutschland. Verlage, Fernsehanstalten, alle haben sich untergehakt, überall in Duzland haben sie Anzeigenplatz im Wert von dreißig Millionen bereitgestellt. Dreißich Milljonen, is das mehr wie hundat mal hundat, Vatta? Ja, mein Sohn, und außerdem gibt es die offizielle Internet-Seite Du-bist-Deutschland.de, auf der hat ein anonymer Sprachkünstler das Manifest „Du bist das Wunder von Deutschland“ veröffentlicht, vielleicht haben den Text auch Nena, Horst Köhler und Maharishi Yoga gemeinsam geschrieben, man weiß es nicht.

Jedenfalls beginnt das Manifest folgendermaßen: „Ein Schmetterling kann einen Taifun auslösen. Der Windstoß, der durch seinen Flügelschlag verdrängt wird, entwurzelt vielleicht ein paar Kilometer weiter Bäume.“ Wenn da so ist, möchte man angesichts der Lage in New Orleans und Umgebung sagen, vielleicht könnten die Herren Schmetterlinge mal ein bisschen vorsichtiger sein? Aber Achtung: Das ist eine Metapher, du verstehn, Deutschland? Metaffa. „It’s metaphoric“ (F. Langenscheidt). Will sagen: kleine Ursache, große Wirkung. Du, kleiner Mann, der du Deutschland bist, zu dem wir unsere Dreißig-Millionen-Kampagne hinuntertröten, kannst Erhebliches bewirken, wenn du dich ein bisschen zusammenreißt. In der Sprache des Manifests: „Du bist von allem ein Teil. Und alles ist ein Teil von dir.“

So weit wäre noch alles in Buddha, aber nun kommt’s langsam dicke. Denn manifest heißt eigentlich „handgreiflich“, und deswegen schreiben die Manifest-Autoren: „Deutschland hat genug Hände, um sie einander zu reichen und anzupacken. Wir sind 82 Millionen. Machen wir uns die Hände schmutzig. Du bist die Hand. Du bist 82 Millionen.“ Das ist die Stelle, an der man sich fragt, warum eigentlich nur Kate Moss in den Entzug muss. Aber! Wir sind noch nicht am Ende, Deutschland, auch wenn du die schmutzigen Hände über deinen 82 Millionen Köpfen zusammen schlägst: Wir sind nicht am Ende!

Denn da war ja noch die Sache mit den Flügeln. Und den Bäumen. Darauf muss man zurückkommen, und deshalb heißt es am Manifest-Schluss: „Bring die beste Leistung, zu der du fähig bist. Und wenn du damit fertig bist, übertriff dich selbst. Schlag mit deinen Flügeln und reiß Bäume aus. Du bist die Flügel, du bist der Baum. Du bist Deutschland.“

So, nun ist aber Schluss. Oder vielleicht eines noch. Deutschland, psssst: Lassen Sie sich nicht verarschen!

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