Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Ist es nicht eine Schande, wie schlecht wir unsere Bundeskanzler ausbilden? Erst jetzt hat Gerhard Schröder einen intensiven Englisch- Kurs gemacht (in Wales übrigens, wo der Mann von Welt das Pub allerdings nicht mit dem üblichen „Pint of Lager, please“ betritt, sondern lässig ein „Peint o gwrw, os gwelwch chi’n dda“ in Richtung des Wirtes wirft). Sieben Jahre lang musste Schröder sich mit Radegebrech und Dolmetschern behelfen; nun, in Diensten des Verlegers Ringier, ermöglicht man ihm endlich, richtige Verhandlungen selbst zu führen. Es ist peinlich, vor allem für uns, seine ehemaligen Arbeitgeber, die wir zu geizig sind, unseren Besten ordentliches Handwerkszeug mit auf den Weg zu geben.

Wenn wir alles richtig verstanden haben, soll Schröder künftig für Ringier sein Brot mit dem „Öffnen von Türen“ verdienen. Als Geschäftsanbahner. Beziehungenspielenlasser. „Türöffner“ also. Dafür ist er einerseits prädestiniert, seit er erfolgreich (legendär sein Ruf „I want in there!“) an Kanzleramtstüren rüttelte. Andererseits hatte er die herzlichsten Kontakte immer zu Leuten, die sich am besten aufs dauerhafte Schließen von Türen, speziell Gefängnistüren, verstanden. Man fragt sich, was in Zukunft unter dem Namen Schröder auf den Visitenkarten stehen wird. Door-opening Consultant? Doorshaking Counsellor? In jedem Fall spielt er eine Schlüsselrolle, „a key role“, wie er gewiss jetzt, nach anderthalb Wochen „Intensiv-Englisch für Türöffner“, sagen würde.

Unter einem „Türöffner“ verstand man ja bisher etwas Elektrisches, leise Summendes. Oder den Schlüsseldienst, den man ruft, wenn die Tür zugefallen ist, wie es Schröder mal im Weißen Haus passierte. Dann gibt es noch den „Doorman“, dem man in großen Häusern einen Euro in den Handschuh drückt, wenn er einem die Tür öffnet. Bei Ex-Kanzlern darf es, wie man hört, etwas mehr sein.

Wie das wohl geht: Türen öffnen für Ringier, den Verlegerfreund? Ein Anruf bei irgendeinem Spitzenchinesen: „Who is there? Hu, my buddy? Yes, old Schlödel here. Listen, Hu, my close friend, I’ve heard that there are still Billions of chinese women without magazines informing them about, ähm, Netzstrümpfe (blätterblätter, raschel), also, net socks? … , was heißt’n das, Doris? … Nein, blydi hel! (walisischer Fluch, Anm. d. Verf.), wo steht das? You know what I mean, Hu? These thin Stoffthings, covering Frauenbeine, haha, hihi … Hu? Are you still there, Hu, my very good friend?“

Sicher kein leichter Job. Aber Schröder liebt ja so was, und – hoppala! – nun wird er auch noch Aufsichtsratsvorsitzender einer Pipeline-Gesellschaft – Advent, Advent, der Mann öffnet jeden Tag ein neues Türchen für sich. Was soll man sagen? Vielleicht bereiten wir unsere Kanzler schlecht vor, aber hinterher geht es ihnen ganz gut, was?

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