Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Es wird bald Ostern, liebe Kinder! Zeit, dass wir euch etwas Wichtiges erklären. Das ist: dass Eier von Hühnern kommen, nicht Schokoladeneier jetzt, sondern die anderen, zerbrechlichen aus den Pappschachteln im Supermarkt, mit dem Glibber drin. Ja, ich weiß, die meisten von euch haben gedacht, dass Eier in Eierfabriken gemacht werden, wo man in eine von einem Mann namens Colani erdachte Form so Sachen wie Natrium, Kalium und das liebe Kalzium füllt, das ihr von den Cornflakes her kennt – die sind auch mit Kalzium, ganz recht. Aber nein, die Eier werden von Hühnern gelegt, sie kommen hinten aus den Hühnern raus, eklig, ich weiß, deswegen haben wir’s euch nicht erzählt. Aber nun geht es nicht anders.

Es gibt die Putengrippe, sie kann auch Hühner befallen, die Hühner legen Eier, und nun kommt Ostern, wir müssen Eier essen. Und ausblasen. Und bemalen. Eine gefährliche Sache. Gerade hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (nein, das ist keines von meinen Märchen, Kinder, das gibt es) bekannt gegeben, man solle gefärbte Ostereier „und alle anderen“ kochen, bis alles drinnen fest ist. Und: „Wer Eierschalen bemalen will, sollte die Oberfläche vor dem Auspusten mit warmem Wasser und Spülmittel vorsichtig reinigen.“ Ich füge hinzu: Wenn ihr die Eier auspusten wollt, dürft ihr sie nicht kochen, selbst Obelix könnte sie dann nicht auspusten, das geht nur mit rohen Eiern. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat gerade in einer schönen Bildfolge gezeigt, wie man Eier reinigt. Man zieht Gummihandschuhe an, füllt eine Plastikschale mit Spüli, bürstet die Eier ab. Dann trocknen! Dann erst pusten! Zwar sagen Virologen, dass kranke Hühner keine Eier legen, aber man kann nie wissen. Zwar sagen andere Fachleute, dass ein solches Ei dann wahrscheinlich eine so miserable Schale hätte, dass es nicht in den Handel käme. Aber man kann nie wissen, es könnte eines durchkommen, und das ist dann unseres. Zwar habe ich im Radio gehört: Wenn an der Schale Viren hafteten, seien es wohl nicht genug, um uns krank zu machen. Aber auch das kann man nie wissen! Zwar geben Hühnerkundler zu bedenken, dass kein Legehennenbestand befallen sei. Aber wer weiß? Man kann nie wissen. Nie. Wenn nicht Ostern vor uns läge, würden wir keine Eier berühren. Aber nun geht es nicht anders.

Ostern, wir müssen da durch. Im Handel soll es formschöne Eierauspustemasken geben, bei denen man das Ei nicht mehr berühren muss. Beim Luftholen vom Ei weg atmen! Mit dem rohen Ei backen wir Kuchen, den wir aber lieber den Nachbarn schenken, was? Und, bitte, fürs Osterfrühstück kaufen wir am Montag weiße Schutzanzüge, wie sie die Männer im Fernsehen tragen, und setzen Taucherbrillen auf, es ist nur dieses Mal, bis zum nächsten Ostern wird die Industrie bestimmt Kunsteier erfunden haben, alles andere ist ja eine Zumutung.

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