Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Ein Wort zum Thema Öl. In Alaska hat man eine verrostete Pipeline geschlossen. In Russland gammeln die Ölröhren vor sich hin, überall tropft das Zeug in den Boden. Wohin man blickt: erschütterte Märkte, getriebene Preise. Vor acht Jahren verlangten die Grünen, der Benzinpreis solle auf fünf Mark angehoben werden. Langsam wird es Zeit, für die weitsichtige Forderung zu danken. Erstens hätten wir uns damals an Kosten gewöhnen können, die ohnehin bald auf uns zukommen. Und zweitens wird der Tag anbrechen, an dem wir sagen: Fünf Mark? Zwei Euro fünfzig? Das ist ja fast geschenkt. Wo gibt’s so billigen Sprit?

Wir erinnern uns: 2001 kostete Normalbenzin zum ersten Mal mehr als einen Euro. Heute? 1,41 Euro. Eine Steigerung um 41 Prozent. Geht das so weiter, sind wir in zehn Jahren bei 2,80 Euro, das wären 5,48 Mark. Im Jahr 2050 lägen wir bei 31 Euro. Pro Liter. Normalbenzin. Das können sich nicht mal FDP-Wähler leisten. Wir müssen uns also vom Autofahren verabschieden. Aber was machen wir mit den Autobahnen? Unser Land ist von einem Asphaltnetz überzogen. Schon in wenigen Jahren wird es nur noch von einigen Milliardären genutzt werden können. Auch sie aber werden nicht mehr in motorgetriebenen Gefährten sitzen. Sondern in langen Jan-Ullrich-Mobilen hinter einer Hundertschaft von Radfahrern, deren Blut alle zweihundert Kilometer frisch gewaschen und mit Testosteron neu versetzt werden muss.

Lohnt für sie der Erhalt unserer Fernverkehrsstraßen? Nicht in dieser Breite. Geteerte schmale Rad- und Wanderwege zwischen den Städten – gewiss. Und wenn zum Beispiel ein Münchner Kanzler würde, müsste er ja irgendwie rasch und pünktlich nach Berlin kommen. Der Rest von uns? Fährt Zug. Bleibt daheim. Soll man die Asphaltbänder aber einer gemächlichen Renaturierung überlassen? Durch den Teer brechende Bäume, langsam verunkrautende Rastplätze, riesige Brücken, unter denen ganze Wolfsrudel nächtigen? Brunobären, die kreuzungsfrei ins Brandenburgische wandern?

Was bleibt uns anderes übrig? Vielleicht wird entlang dieser Trassen eine neue Art von Natur entstehen, eine radikal veränderte Tierwelt. Ohnehin liest man von neuen Tierarten, die bei uns landen, dem gewandelten Klima folgend. Der Plankenpython, eine fünfzig Meter lange Schlangenart, die sich Leitplanken am Stück einverleibt, um sie, schnarchend im Grase liegend, langwierig zu verdauen. Der Säulenkrake, der sich über Notrufmelder stülpt, um sie geräuschlos zu verzehren. Der Kilometerfresser, ein haariges Vieh von Lkw-Breite, das mit schwarzen Zähnen innerhalb von zwei Stunden zehn Meter Standspur vom Erdboden raspelt.

Und was machen wir dann? Wir sitzen in der Garage am Lenkrad eines uralten Automobils, auf den Lippen ein melancholisches Vroaaam, Vroaaaaaaammmmmm …

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