Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Mit der Gesundheitsreform ist es eine seltsame Sache. Einerseits scheint es sich um eine ungeheuer wesentliche Angelegenheit zu handeln, andererseits hat allein die Nennung des Wortes eine so sedierende Wirkung, dass manche Ärzte an Stelle üblicher Beruhigungsmittel bereits CDs verschreiben, auf denen Ulla Hahn in einigen Sätzen das Wesen der Kopfpauschale erläutert. Man wird ganz wehrlos und schläft sofort ein.

Aber darf eine Nation mit dem Problem so nachlässig umgehen? Man weiß schon gar nicht mehr, was eigentlich das Ziel der Reform ist; wann wäre sie gelungen? Mit der Gesundheitsreform scheint es wie mit der höheren Mathematik zu sein: Nur eine Handvoll Fachleute versteht, worum es geht, der Rest der Welt ist ausgeschlossen, versteht nichts. Will nichts verstehen.

Zwei Wege sind denkbar, die Situation zu verändern. Erstens: Wir werfen alle Energien des Landes auf die Sache. Die Gesundheitsreform wird Staatsziel. Artikel 20 des Grundgesetzes wird umformuliert: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat mit dem Ziel, eine Gesundheitsreform herbeizuführen.“ In jedem privaten Haushalt muss es fortan einen Fachmann für die Gesundheitsreform geben; eine Bundesanstalt für Gesundheitsreform bietet entsprechende Kurse an; bereits in der Grundschule wird „Gesundheitsreform“ unterrichtet; die Lehrkräfte werden in einem entsprechenden Studiengang ausgebildet. Das entstehende Know-how könnte man anderen Ländern anbieten. „Gesundheitsreform“ würde ein Exportschlager ähnlich einst dem VW-Käfer.

Zweitens. Wem das zu aufwendig ist, dem müssen wir sagen: Wenn das politische Personal es nicht schafft, eine Reform in die Wege zu leiten, müssen wir den Druck erhöhen. Die Azteken hätten jeden Tag einer anderen blutjungen Ministerin das Herz herausgerissen, bis eine Gesundheitsreform (aztekisch: Chisundhuatlreformtl) fertig gewesen wäre. Die Indianer hätten im Kreis gesessen und Pfeife geraucht, bis alle nacheinander das Wort „Gesundhugh“ hätten sprechen können. Beide Methoden (Morden, Rauchen) sind heute mit dem Reformziel nicht mehr vereinbar.

Aber der Besuch des Papstes erinnerte an ein anderes Vorgehen: Konklave. Wie wäre es, man sperrte die zuständigen Minister, dazu die Vorsitzenden der Apotheker-, Ärzte- und Sonstigen-Verbände, alle Pharma-Industriellen und die Chefs der Kassen an einem zentralen, mit Komfort zweiter Klasse ausgestatten Orte ein? Schlösse alle Türen von außen. So dass keine Interviews, keine Bekanntgabe von „Eckpunkten“, keine Beitragssatzanhebungserwägungen mehr möglich wären. Und wartete. Auf weißen Rauch, eine Reform, ein lautes „Gesundheit!“, ein Ergebnis. In Ruhe. In „großer Gelassenheit“, wie Ulla Hahn sagen wür … Schnarch.

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