Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Immer wenn wieder mal ein Jackpot geknackt worden ist und ich selbst nicht der Knacker war, lese ich in den Zeitungen gern Geschichten über unglückliche Lottogewinner. Über Lotto-Lothar, der vor zwölf Jahren 7,8 Millionen Mark gewann und schon fünf Jahre später am Magendurchbruch starb; das Luxusleben war zu viel für ihn gewesen. Über die Irin Dolores McNamara, die 115 Millionen Euro gewann und sich nun sehr nach ihrem Dasein als Fließbandarbeiterin und den netten Abenden in der „Track Bar“ neben der Windhunderennbahn von Limerick zurücksehnt. Sie kann dorthin aber nicht mehr gehen, ohne dass alle Anwesenden von ihr eingeladen werden möchten – was bei einem Vermögen von 115 Millionen nicht mal ein finanzielles Problem wäre, aber ein seelisches. Auch der reiche Mensch möchte, dass man ihm um seiner selbst willen zuprostet.

Dann ist noch Friedrich Karl Flick gestorben, auch er kein rundum glücklicher Mann, wenn man den Nachrufen glaubt. Die vielen Neider. Immerzu auf Steuerflucht. Ein Leben in Bunkern. Reichtum scheint nur halbwegs erträglich zu sein, wenn niemand davon weiß. Aber 37 Millionen gewinnen und nur mit der eigenen Frau darüber reden? Ach.

Glücklicherweise gibt es Politiker, die uns schützen wollen. Sie arbeiten an einem neuen Lotteriegesetz. Man könnte sich ja eine primitiv-populistische Partei vorstellen, die für mehr und höhere Lottogewinne kämpft. Für eine Senkung der Zahlenmenge, aus der gezogen wird, 39 statt 49. Für größere Jackpötte. Für garantierte Lottogewinne. So sind unsere Politiker nicht. Sie wollen die Höhe der Gewinne begrenzen, damit wir nicht wieder überschnappen, Lottoannahmestellen stürmen und uns falsche Hoffnungen machen. Vielleicht sollte man überhaupt keine Gewinne mehr in Geld ausschütten, nur in Rohkost oder Fitnessgeräten? Vielleicht müsste man eine Art Lottoführerschein einführen. Das heißt, jeder, der sich für einen Jackpotgewinn interessiert, müsste Abendkurse in der Bankfiliale besuchen, bekäme dann zwei Millionen überwiesen – mal sehen, was er macht. Ob er das Geld durchbringt oder sich eine Eigentumswohnung kauft. Erst bei guter Führung bekäme er einen Lottoschein ausgehändigt.

Wie man hört, hat ein Krankenpfleger den Jackpot gewonnen. Er soll ein vernünftiger Mann sein, will das Geld solide investieren und weiter arbeiten. Auch der neueste Millionär in Jauchs Millionen-Quiz möchte Aufzugmonteur bleiben. Ich glaube, ich würde auch weiter Kolumnen schreiben, wenn ich den Jackpot holte. Ich würde darin meinen Reichtum nicht erwähnen. Na gut, vielleicht würde ich auch aufhören, das kann sich die Lottofee aussuchen, meinetwegen. Ich verspreche, nicht unglücklich zu werden. Je länger ich drüber nachdenke … Im Grunde bin ich der ideale Lottogewinner.

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