Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Dem Geld ist etwas Scheues, ja, Flüchtiges zu eigen, jedenfalls bei unsereinem. Nur zögernd nähert es sich, und haschen wir nach ihm, ist es schon wieder weg. Natürlich bekommen wir immer wieder etwas zu fassen, doch ist es nie genug, und kaum haben wir was in der Tasche, ist es auch schon wieder weg. Wohin? Das weiß der Himmel. Kinder, Frauen, Auto… Geld hinterlässt, wenn es verschwindet, wenig Spuren, jedenfalls im Alltag, zunächst. Aber dann, auf längere Sicht, erblickt man doch tiefe Furchen. Sieben Millionen Deutsche seien überschuldet, hat die „Wirtschaftsauskunftei Creditreform“ mitgeteilt, in größerem Umfang übrigens im Westen, denn dort, formuliert heiter Creditreform-Chef Rödl, bewegten sich die Haushalte „schon viel länger im Schuldenkarussell“.

Schuldenkarussell. Das klingt nach jauchzenden Pleitiers, deren Haare im Wind wehen, während sie sich auf Kredit an Kirmesbuden amüsieren, unter den melancholischen Blicken ihrer Hausbankiers. Aber es ist natürlich traurig. Und es wird viel trauriger, bedenkt man, dass einerseits die Banken in ihrer Kleinherzigkeit für das entliehene Geld ein unerträglich langes Gedächtnis haben, dass aber andererseits jene Knete, die wir in die Hand bekommen, immer noch fragiler wird, ja, fragiler, das ist das richtige Wort, denn wir entnehmen der Presse, dass Euro- Scheine im Umlauf sind, die bei Berührung durch eine menschliche Hand hart werden und dann zerbrechen, dass große Löcher im Gewebe entstehen und dass sie schließlich zu Staub werden. So dass die Redewendung vom „Geldverpulvern“ bestürzend an Realitätsnähe gewinnt.

Was soll man tun? Geld nur noch mit Handschuhen bekleidet anfassen? Es mithilfe von Essstäbchen über den Ladentresen schieben? Man erinnert sich an den König Midas, der beim Gott Dionysos eine Bitte frei hatte und sich wünschte, alles, was er berührte, würde zu Gold, nicht bedenkend, dass auch Brot und Wein, Trauben und Käse sich in Gold verwandeln würden – und dass man Gold eben nicht essen kann.

Bei uns Anti-Midassen wird alles zu Staub. Was die Menschheit auch anfasst, alles ist: Katastrophe. Aus Großbritannien wird unser Untergang in schwellenden Meeren angekündigt, die Nordsee hämmert auf die Küsten ein, unsere Soldaten spielen mit Schädeln, im Iran sitzt ein Wahnsinniger, in Nordkorea ein anderer. Und durch unsere Finger rinnt zäher Geldstaub, man hat das Gefühl, als Nächstes könnte die Kreditkarte zerbröseln. Morgens, wenn wir die Autotür öffnen wollen, zerbricht sie unter dem Zugriff. Die Kaffeetasse, die wir füllen wollten, fällt in Mikrosplittern zu Boden. Die Geliebte, die wir umarmen möchten, ist nur noch Staub auf dem Jackett. So hatten wir uns die Apokalypse nicht vorgestellt. Aber es kommt ja immer anders, als man denkt.

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