Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Aus älteren Zeiten kennen wir den Begriff der „Amtsperson“, mit dem ein Mensch bezeichnet wird, in dem sich staatlicher Wille gewissermaßen in Fleisch und Blut zeigt. Und der auf diese Weise eine gewisse Erhebung erfährt (beziehungsweise zu erfahren glaubt). Früher war schon der Briefträger eine Amtsperson, das ist längst vorbei. Überhaupt ist das Wort A. selten geworden, ja, es scheint gewissermaßen frei für eine Umwidmung. So wollen wird es heute erstmals in neuer Weise verwenden, indem wir Edmund Stoiber als Amtsperson bezeichnen.

Hat je ein Mensch mehr ein Wort verkörpert als dieser? In Stoiber gehen seit sehr langer Zeit Amt und Person eine Verschmelzung ein. Er selbst ist nicht mehr denkbar ohne die in den Nachrichten dem „Stoiber“ vorangesetzte Wendung „Der bayerische Ministerpräsident“, das ist quasi ein Namensbestandteil. Andererseits ist das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten, welches Stoiber seit 1993 bekleidet (und bekleidet es nicht auch ihn?), nicht mehr vorstellbar ohne Stoiber. Es hat ja durchaus Versuche seinerseits gegeben, dem Amt zu entkommen. Er wollte Kanzler werden. Man hat ihm angetragen, Bundespräsident zu sein. Er hätte der EU-Kommission vorsitzen können. Oder Superminister! Mehr kann man nicht tun.

Aber es war nicht möglich. Es war nicht seine Schuld, dass er nicht antrat: Das Amt gab ihn nicht frei. Es klebt an ihm, ja, Amt und Person sind in schicksalhaft-unbegreiflicher Weise untrennbar geworden, auch gibt es Münchner, die beobachtet haben wollen, das Gebäude der bayerischen Staatskanzlei bewege sich ächzend in seinen Grundfesten, wenn er es Richtung Berlin verlasse – als versuche es, ihm zu folgen. Man hat das Gefühl, nicht nur der Mensch zerfiele zu Staub, müsste er gehen, auch das Amt selbst würde im gleichen Moment aufhören zu existieren, und die bayerischen Minister müssten ohne Präsident regieren, ja, sie würden ziellos durchs Bayernland irren, dem Nahen des von ihm erwähnten Rücktrittsjahres 2013 schutzlos preisgegeben.

Amtsperson. Der Mann weiß nicht mehr, was er ohne das Amt tun soll. Er wäre keine Person mehr, ein Hilfloser, genötigt, an Botschaftstüren zu klopfen, ob es nicht irgendeinen Staat gebe, den er ein bisschen in Ordnung bringen könnte. Als die Franzosen Napoleon rauswarfen, haben sie ihm zur Entwöhnung Elba zum Regieren gegeben (aus dem er in Kürze ein blühendes Gemeinwesen machte).

Was bliebe für Edmund Stoiber? Frauenchiemsee? Lieber nicht. Herrenchiemsee? Immerhin gibt es da ein Schloss als Amtssitz und viele geduldige Bäume, denen er seine Vision von einer Verbindung der Chiemsee- Inseln mithilfe des Transrapidzuges darlegen könnte. Eine bayernweite Altaktensammlung „Pro Edmund“ (für nächtlichen Lesestunden) verstünde sich von selbst.

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