Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Dieser Tage wurde Jörg Immendorfs Schröder-Bild fürs Bundeskanzleramt der Öffentlichkeit vorgestellt, wobei in den Feuilletons der Tatsache Beachtung geschenkt wurde, dass darauf Schröder als Goldbüste erscheint, „heikel an Diktatorenbilder erinnernd“, wie die „Berliner Zeitung“ fand, geeignet aber auch, wie die „Süddeutsche“ schrieb, als Medaillon oder Anstecknadel für verdiente Parteimitglieder. Die FAZ schließlich erinnerte an James Bond und „Goldfinger“, wo ein armes Bond-Girl vergoldet und damit getötet wird, entsetzlicher Gedanke!

Goldgerd – seltsam entrückt blickt er uns an, unberührt auch von jener Horde Affen, die der Künstler um seine Ohren herum gruppiert hat. Einer, ein Pavian, scheint ihm ins rechte Ohrläppchen beißen zu wollen, das linke Ohr wird bedrängt von einem Rudel verschiedenster Affenarten. Man erfährt aus „Bild“, die Affen seien „Künstler“, um die sich Schröder, so Immendorf, als erster Kanzler „gekümmert“ habe. Anderswo ist zu lesen, Immendorf habe sich selbst oft als Schimpansen dargestellt.

Aber wird das der Vielfalt der Assoziationen gerecht, die wir mit dem Affen verbinden? In alten deutschen Hausbüchern des 19. Jahrhunderts (hier, diesem von 1842 zum Beispiel) liest man, die Afrikaner hielten die Affen „für Menschen, welche blos deshalb nicht sprechen, damit sie nicht zur Arbeit gezwungen werden“. Seltsam, wie einen der Satz im Zusammenhang mit Schröder berührt… Der Affe hat in der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts keine geringe Rolle gespielt. Sehr bekannt ist Gabriel von Max’ Bild „Affen als Kunstrichter“, das jetzt auch im Zusammenhang mit Goldschröder gelegentlich erwähnt wird: Eine Gruppe verschiedenster Affen beschaut da eine Leinwand, neugierig, gebannt; der Hauptaffe aber blickt den Betrachter an, eindringlich und auf ganz unheimliche Weise – ein beeindruckendes Bild. (Dessen Titel nicht von Max stammt und dem Bild auch nicht gerecht wird, weil es eben um diesen Blick geht, nicht um eine billige Persiflage auf Kunstkritiker, aber das nur nebenbei). Paul Meyerheim fällt einem ein, der dauernd Affen gemalt hat, beim Kartenspiel zum Beispiel, dem Schröder gerne frönt, nicht selten auf Reisen zusammen mit Immendorf und dem Künstlerfreunde Lüpertz. Gibt es nicht bei Wilhelm Busch den Affen Fipps, der von einem bösen Streich zum anderen eilt, „denn die Taten der Verbrecher, sind so seine Lieblingsfächer“?

Gerhard Schröder und die Affen: ein weites Feld. Was will die Bande von ihm? Arbeit? Keine Arbeit? Spaß? Eine Runde Skat? Was bedeutet es, dass die Affen rot sind? Dass sie Affen sind? Bisschen wirken sie wie Höllenhunde, die den Goldkanzler von hinten ankläffen. Niemals möchte man selbst so gemalt werden. Ob er das gut findet? Wahrscheinlich schon. Dolles Bild eigentlich.

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