Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Wir haben eine Handball-Weltmeisterschaft im Land, aber viele von uns scheinen es kaum zu wissen. In den Handballhallen herrscht – jeder Fernsehzuschauer bemerkt das schnell – allerbeste Stimmung, die Leute „brüllen wie die Ochsen“, wie der frühere Handballstar Erhard Wunderlich es ausdrückt – doch draußen, bei uns? Nichts. Oder wenig.

Wie ist das möglich? Der Mensch ist ein Handwesen, die Hand ist sein elaboriertester Körperteil, alles Wichtige wird mit Händen gemacht, ohne Hände wäre der Mensch… ja, wo? Stellen wir uns vor, was aus den Delphinen hätte werden können, mit Händen. (Na gut, und mit Füßen natürlich auch, zwei Füße zusätzlich zu den Händen würden keinem Delphin schaden.) Bloß Handball ist dem Fußball unterlegen – warum? Käme ich je auf den Gedanken, eine Kolumne mit Füßen zu schreiben? Hat der Bundespräsident ein einziges Gesetz mit Hilfe seiner Zehen unterzeichnet? Serviert der Ober im Restaurant die Speisen auf den Fußsohlen? Nichts davon.

Bloß Handball läuft so nebenbei, nachdem das Land halb wahnsinnig geworden ist wegen einer Fußball-WM. Fußball ist unlogisch. Man läuft einem Ball hinterher, und obwohl die Füße mit dem Laufen genug beschäftigt sind und man die Hände frei hat, darf man den Ball nicht anfassen. Das ist Quatsch. Sogar köpfen darf man, aber grapschen nicht. Der Schriftsteller Burkhard Spinnen hat vor der Fußball-WM die These aufgestellt, genau dies sei es, was den Erfolg des Fußballs begründe: dass man das Eroberte nicht festhalten könne, sondern immer neu verteidigen müsse. Werner Schneyder, der Kabarettist und Sport-Moderator, schrieb vor 25 Jahren, das Problem des Handballs sei seine Vollkommenheit, jedes künstlich erschwerte Spiel sei reizvoller, Rugby mit dem eiförmigen Ball oder Volleyball, bei dem man nicht fangen darf. Deshalb werde Handball, so Schneyder, „wage ich zu wetten, in zehn Jahren nicht mehr gespielt“.

Tja. So ist es nicht gekommen. Wir haben eine Handball-WM. Man möchte bei der Gelegenheit nun doch auf einige Vorteile dieses Sports hinweisen. Kein Spiel dauert neunzig Minuten. Es fallen viele Tore. Es geht umstandslos zur Sache, das nervende Herumgeeiere im Mittelfeld entfällt, weil es kein Mittelfeld gibt. Gerade weil Fangen und Passen einfach sind, kommt es auf Exaktheit, auf Feinheiten an, auf die Maschinerie einer Mannschaft. Die Zuschauer haben es immer schön warm, denn Handball spielt man drinnen. Handballspieler bekommen weniger Geld als Fußballer, aber sie jammern nicht viel und beklagen nicht ihre Belastungen. Na ja, und noch so einiges. Außerdem sollte man für den Fußball eine neue, ehrlichere Regel einführen: Das Publikum müsste die Leistungen, die seine Lieblinge mit den Füßen vollbringen, fairerweise auch mit den Fußsohlen beklatschen.

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