Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Wenn vom Erben die Rede ist, fällt einem seltsamerweise immer der Bankierssohn Tom Koenigs ein, der vor Jahrzehnten sein Erbteil dem Vietcong schenkte. Wer würde heute noch so etwas tun? Alles weggeben, was einem das Leben leicht machen könnte … Andererseits: Ein Erbe kann auch Last sein, das Verschenken kann befreien. Wer weiß, ob Koenigs, der später Stadtkämmerer in Frankfurt wurde, auch UN-Beauftragter in Afghanistan, wer weiß also, ob der Mann eine so wunderbare Lebenslaufbahn hätte, wäre er nicht stark genug für diese Schenkung gewesen. Arndt von Bohlen und Halbach zum Beispiel, der „Krupp-Erbe“, der genau genommen kein Krupp-Erbe war, weil er auf sein Erbe zugunsten einer Abfindung und einer Apanage von zwei Millionen Mark im Jahr verzichtet hatte – er starb 1986 mit 48 Jahren. Als man ihn fragte, ob er je arbeiten würde im Leben, war seine Antwort: „Das hat mir gerade noch gefehlt.“

Ob also ein Mensch glücklich wird oder nicht, hat mit dem Erben wenig zu tun. Hat auch niemand behauptet, oder? Dem Erben geht das Sterben voraus, ja, rein sprachlich gesehen, ist Erben im Sterben enthalten. Seltsam ist doch, wie hier Banalstes mit Größtem verwoben ist, wie bisweilen das tiefste Geheimnis des Lebens, der Tod, schon nach kürzester Zeit unmittelbar in Fragen von grellstem Materialismus mündet: Wie teilt man eine Doppelhaushälfte? Wem gehört Opas Uhr? Wer hat die Oma auf dem Sterbebett noch zur Änderung des Testamentes beschwatzt?

Als jetzt das Verfassungsgericht ein wegweisendes Urteil sprach, las man, wie Sein und Nichtsein mit dem Verkehrswert von Immobilien verknüpft sind. Und dass es unter Experten Fachausdrücke wie „Vererben mit warmer Hand“ gibt: die Übertragung von Immobilienbesitz zu Lebzeiten. Der gute Vererber bedenkt Fragen der Erbschaftsteuer zur rechten Zeit! Aber wenn man einmal bei „Google“ die Worte „guter Vererber“ eingibt, stößt man als Erstes auf eine Schäferhund-Seite. Dort sind Herrschaften verzeichnet wie „Fero vom Zeuterner Himmelreich“ oder sein Sohn „Troll von der bösen Nachbarschaft“ sowie der ehedem mehrmalige DDR-Meister „Lord Gleisdreieck“, die ihren teils mehr als tausend Nachkommen nichts zu vererben hatten als (wie in Trolls Fall angegeben ist) einen hohen Widerrist, gute Winkelungen an Vor- und Hinterhand, eine kurze Kruppe sowie „gute Gänge“ und ein „sicheres Wesen“.

Kein Wort von „Betriebsvermögen“, keine Zeile über „Freibeträge“, nirgends das Wort „Erbfolge“. Hat man je gehört, dass Lord Gleisdreiecks Frauen, Töchter, Söhne und Enkel sich über irgendwelche Apanagen gestritten hätten? Und es sind hunderte! Er hatte nichts weiterzugeben als „gute Fesselstraffheit“ und „straffe, feste Ohren“. Und das tat er. Vielleicht sind Hunde glücklicher als wir?

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