Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Vor kurzem ist Jupp Heynckes als Trainer von Borussia Mönchengladbach zurückgetreten, „Osram“ lautet sein Spitzname, weil sein Kopf bei Niederlagen vor Wut aufzuleuchten pflegte wie eine Glühbirne in der Nacht. Dieser Rückzug war ein Menetekel. Plötzlich scheint es den Glühlampen rund um den Globus, nun ja, an die Fassung zu gehen. In Australien dürfen sie ab 2010 nicht mehr verkauft werden, in Kalifornien werben Politiker für die gleiche Idee, selbst aus New Jersey, der Heimat Edisons, hört man von birnenfeindlichen Initiativen. Und hierzulande kauft der aufgeklärte Energieverbraucher längst nur mehr Sparlampen, nicht wahr?

Zeit für eine sentimentale Anwandlung. Glühbirnchen, du! Wenige Gegenstände gibt es, mit denen wir so selbstverständlich hantieren, deren Form uns wie von Natur gegeben scheint. Linksherum schrauben, wenn Birne kaputt, rechtsherum, wenn Birne neu. Am Ohr schütteln, wenn unklar, ob Birne kaputt: Rascheln zeigt an, dass der Wolframfaden gerissen ist. Und wie viele Erfinder die Glühbirne hat!, in England Swan, in Russland Nadogin, in Deutschland Göbel, in Amerika Edison. Oder waren es die Ägypter? Man wundert sich, wieso es in Königsgräbern nirgendwo Spuren von Lampenruß gibt, und im Hathor-Tempel soll ein Relief existieren, darauf: ein Pfeiler, sich in zwei Arme teilend, die verbunden sind durch eine Schlange. Ein Glühfaden, zweifellos.

Und warum halten Glühlampen nicht länger? Weil es ein Leuchtmittelkartell nicht will? Tausend Stunden, brizzel, aus. In China brennen sie fünf Mal länger. Der Deutsche Binninger (der einst die Mengenlehrenuhr am Europa-Center baute) erfand die Ewigkeitsbirne für 150 000 Stunden, aber bevor er sie unter dem alten DDR-Namen Narva in großen Serien bauen konnte, stürzte er 1991 mit dem Flugzeug ab.

In der Feuerwache der kalifornischen Stadt Livermore brennt eine Vier-Watt-Lampe seit 1901, bernsteingelb und konkurrenzlos als älteste Birne der Welt, denn die zweitälteste (in Ipswich/England) platzte 2001 nach siebzig Jahren. Das Livermore-Lämpchen überstand das Erdbeben von 1906, nur 1976 musste es kurz abgeschaltet werden, da zog die Feuerwache in ein neues Gebäude, wo man sie besichtigen kann, die Birne.

Glühbirnchen im Museum?! Wer wird einst verstehen, was uns Daniel Düsentriebs Helferlein, die wandelnde Glühbirne, bedeutete? Und wie es möglich war, dass der Dichter Thomas Pynchon sich eine Glühlampe namens Byron ausdenken konnte, unendlich haltbar, das Lampenkartell bedrohend. Glühbirne, auch das Wort wird verschwinden, dann gibt’s noch Glühwürmchen und Glühwein, die einen vom Aussterben bedroht, der andere nutzlos in Wintern wie diesem. Und Britney Spears jetzt, mit ihrem Glühbirnenschädel… Verglüht, verblüht, Ende, seufz.

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