Politik : Und was mache ich jetzt?

Von Axel Hacke

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Seit alters her gilt der Mensch, insbesondere der Jäger, als Feind des Hasen. Er schießt auf ihn. Vernichtet seine Lebensräume. Spickt sein Fleisch und isst es auf. Ein altes Lied, „Hasenklage“ heißt es, geht so: „Ich hört ein armes Häselein / Mit lauter Stimme also schrei’n: / Hab’ ich den Menschen je verletzt, / Dass er mich so mit Hunden hetzt?“ Das geht ans Herz. Der Hase ist aus diesem Grunde ein Fluchttier. Wenn Mensch sich nähert, ergreift er das nach ihm benannte Hasenpanier. „Es ist ein armes Tier und ew’ge Furcht sein Kummer“, schrieb dazu La Fontaine. (Nicht: Lafontaine, der sicher auch schon manchen Hasen verzehrt hat, andererseits als Finanzminister selbst ein Fluchtwesen war.)

In des Franzosen Fabel grübelt das Häslein über sein Schicksal und fragt: „Ja, kann man denn die Furcht ablegen? / Die Menschen haben sicherlich, / Ich glaub’s, auch Furcht, just so wie ich.“ Was klug gedacht und die reine Wahrheit ist, nur dass sich des Menschen Furcht eben nicht auf Hasen, sondern auf Klimakatastrophen, Krankheiten, Arbeitslosigkeit bezieht – davor kann man nicht Haken schlagend weglaufen. Und wie therapiert sich der sein Selbst so besonnen analysierende Hase? Er begibt sich zu einem Teich und sieht, wie sich bei seinem Anblick die Frösche angstvoll ins Wasser stürzen. „Wie? Tiere gibt’s, für die mein Nahn ein Schreckensgruß? / Jetzt hoff ich noch ein Held zu werden! / Der größte Hasenfuß – das seh ich nun – auf Erden, / Er findet immer noch ‘nen größern Hasenfuß.“

Wie wahr, wie tröstlich, auch für den Menschen. Denn was dem Hasen die Frösche, das sind dem Menschen die Hasen. Vorausgesetzt, es gibt genügend. Daran haperte es lange, der Hase stand auf Roten Listen, aber nun, aber nun … Der Deutsche Jagdschutz-Verband (DJV) teilt in seiner unnachahmlichen DJV- Diktion mit: „Die Population der scheuen Langohren steigt in Deutschland seit fünf Jahren kontinuierlich an.“ Fünfzehn Komma drei Hasen pro Quadratkilometer „tummelten“ sich auf deutschen Äckern, durchschnittlich, ein Plus von mehr als einem Drittel seit 2002.

Wie zählt man Hasen? Indem man über’n Acker brüllt: „Hasen hoch! Wer bei drei nicht die Löffel oben hat, wird erschossen!“??? Keine Ahnung. Aber interessant ist, wie groß heute das Interesse des Menschen (wie gesagt: eigentlich ein Hasenfeind) an einer schönen „Besatzsituation“ (DJV) und einer großen „Hasendichte“ (DJV) ist. Das kann man nur mit La Fontaine erklären: Wir brauchen den Hasen, um uns über eigene Ängste hinwegzutrösten.

Bloß: Wenn man Hasen schützen muss, wen darf man dann jagen? Antwort: den Fuchs. Denn wo viele Füchse sind, das weiß der DJV, sind wenig Hasen, und „das bedeutet für die Jäger eine besondere Verpflichtung zur gewissenhaften Bejagung des Fuchses“. Gewissenhafte Bejagung… Füchslein, du verstehst?

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