Politik : Und wieder droht der Überhang

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Berlin - Eigentlich ist das baden-württembergische Wahlrecht gar nicht so schlecht. Es gibt weder Zweitstimmen noch Parteilisten. Entscheidend ist der Wahlkreis. Wer dort Sieger ist, hat den Sitz im Stuttgarter Landtag als direkt gewählter Kandidat sicher. Meistens sind das CDU-Kandiadten. Das dürfte dieses Mal ähnlich sein, denn trotz der absehbaren Stimmenverluste bleibt die Union in „Ba-Wü“ die stärkste Partei. Die restlichen der regulär 120 Sitze im Landtag werden nach dem Stärkeverhältnis aller Parteien besetzt, und dafür werden – mangels Listen – die Prozentergebnisse in den Wahlkreisen herangezogen. Von SPD, Grünen, FDP und (eventuell) der Linken ziehen daher jene Kandidaten in das Parlament ein, die am besten abschneiden. Und die besten Plätze sind in der Regel die Städte (vor allem die mit Hochschulen), in denen die CDU nicht so dominiert wie auf dem Land. Die Verteilung gemäß dem Stimmenverhältnis erfolgt auf der Ebene der vier Regierungsbezirke.

Das Problem sind die Überhangmandate. Nach den bisherigen Umfragen hätte die CDU um die 50 der regulär 120 Sitze im Landtag, kommt aber voraussichtlich wieder auf weit über 60 direkt gewonnene Sitze, und diese Überhangmandate behält sie. Sie werden freilich zugunsten der anderen Parteien ausgeglichen. Der aktuelle Landtag hat aus diesem Grund 139 Sitze. Allerdings wird bei den Ausgleichsmandaten abgerundet, wenn keine volle Sitzzahl erreicht wird. Das heißt, dass nicht unbedingt vollständig ausgeglichen wird – tendenziell wird am Ende die Partei begünstigt, die Überhangmandate erringt. Zumal wenn sich Abrundungen auf der Bezirksebene auf der Landesebene summieren. Kurzum: Im Extremfall könnte es bei einem sehr knappen Wahlergebnis zwischen dem Regierungs- und dem Oppositionslager am Sonntag dazu kommen, dass Schwarz-Gelb am Ruder bleibt, auch wenn Grün-Rot bei den Stimmen die Nase leicht vorn hat. Ein Politologe hat auf der Grundlage von Umfrageprognosen 4000 Ergebnisvarianten durchgerechnet – in sieben Prozent davon trat der Extremfall ein. Albert Funk

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