Politik : Under Cover

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ehrlich, Leser, können Sie sich den Jürgen Trittin als Geheimagenten vorstellen? Können Sie? Weil, diesen Altlinken ist alles zuzutrauen? Tja, Leser, das zeigt nur, dass Sie den Jürgen Trittin nicht richtig kennen und obendrein vom Agentenwesen keine Ahnung haben. Ist ja jetzt auch schon eine Weile her, dass auf der Glienicker Brücke der letzte Spion ausgetauscht worden ist. Blättern wir in den alten Schmökern, Le Carré, Moskau, Kälte, Sibirien … was zeichnet den guten Agenten aus? Den guten Agenten zeichnet aus, dass ihn nichts auszeichnet. Er steht auf einem zugigen Bahnhof im Ural rum und fällt nicht auf. Er schlendert in St. Petersburg an der Newa entlang, und hinterher kann sich kein einziger Zeuge an sein Dutzendgesicht erinnern. Er eilt forschen Schritts durch den Hafen von Odessa, einer der Schauerleute glaubt ihn aus dem Hafenbüro zu kennen und grüßt. Wenn das nun aber immer der Jürgen Trittin gewesen wäre, dieser lange, schlaksige Kerl mit dem durchdringenden Atomkonsensblick – der wäre sofort aufgefallen, verhaftet, KGB, Sibirien, nach fünf Jahren ab über die Glienicker Brücke! Obwohl, neulich ist es dem Umweltminister gelungen, beim CDU-Parteitag dabei zu sein, undercover. Und das kam so: Laurenz Meyer hat vor dem Parteitag in der Leipziger Messe die Stände der Sponsoren im Foyer inspiziert. Von der Aktion Olympia bis zum Verband der Spielautomatenaufsteller. Meyer hat Trittin sofort entdeckt. Auf einem Foto stand der da und warb, ausgerechnet auch noch, fürs Dosenpfand! Der CDU-General hat der Firma gleich gesagt, das gehe nicht. Da haben sie den Trittin mit schwarzer Folie überklebt. Er war also immer noch da. Nur eben under cover.

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