Politik : Unentschuldigt gefehlt

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Der Krisengipfel im Vatikan endete aus Sicht der Kritiker mit einem Schönheitsfehler. Zwar pries der Vorsitzende der amerikanischen Bischofskonferenz, Wilton Gregory, die neue Strategie medienwirksam als Linie der „Null Toleranz“.

Wer sich als Geistlicher an Kindern, Jugendlichen oder an Priesteraspiranten vergeht, könne künftig nicht mehr mit Pardon rechnen. Aber der aufrechte Kardinal (der erste Afro-Amerikaner an der Spitze der Kirche in den Vereinigten Staaten) kam schwer ins Stottern, als ein Journalist die Frage stellte, warum denn ausgerechnet der Erzbischof von Boston, Kardinal Bernard Francis Law, nicht (wie geplant) mit vor die internationale Presse getreten sei. Der 70-jährige Law steht im Zentrum des Skandals, der die US-Kirche derzeit erschüttert. Ihm persönlich wird vorgehalten, über Jahre hinweg Fälle von Kindesmissbrauch vertuscht und Priester gedeckt zu haben.

Statt gegen das Unwesen vorzugehen, habe er mindestens zwei Priester immer wieder versetzt – und die neuen Pfarreien nicht einmal über die Gefahren unterrichtet. Während in der amerikanischen Kirche Forderungen nach einem Rücktritt immer lauter wurden, war davon im Vatikan keine Rede mehr.

Kardinal Law selbst hatte zwar Schuld eingestanden, und Papst Johannes Paul II hatte ihn sogar persönlich zum Rapport in den Vatikan zitiert. Doch am Ende des Krisengipfels meinte einer der US-Kardinäle, die Frage des Rücktritts sei erst einmal vom Tisch.dpa

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