Politik : UNEP-Konferenz: UNO will israelische Umweltsünden untersuchen

Christoph Link mit AP

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) will mögliche Gefährdungen der Umwelt in den palästinensischen Autonomiegebieten und den israelisch besetzten Territorien untersuchen. Der Lenkungsausschuss der Behörde beschloss am Freitag in Nairobi, zu diesem Zweck eine Untersuchungskommission in das Gebiet zu entsenden. Da dabei auch mögliche von der israelischen Besatzungsmacht begangene Umweltsünden untersucht werden sollen, wurde der Beschluss als eine hoch brisante politische Entscheidung gewertet.

Allerdings stimmte der US-Delegierte als Einziger gegen die Entsendung. Israel gehört dem Leitungsgremium zurzeit nicht an. 19 Länder stimmten dafür und 27 enthielten sich. Elf Länder nahmen an der Abstimmung nicht teil.

Die US-Delegation nannte die Entscheidung "hoch politisch" und warnte die Unep davor, ihr Mandat zu überziehen. Wann die Delegation in den Nahen Osten reisen soll, wurde noch nicht entschieden. Ihre Ergebnisse sollen aber der 22. Tagung des Unep-Lenkungsausschusses vorgelegt werden, der erst 2003 wieder tagt.

Die Unep hat am Freitag ihre Verwaltungsratssitzung mit einer Rekordbeteiligung von 83 Umweltministern beendet. Erderwärmung, erneuerbare Energien, Frühwarnsysteme für Katastrophen und die Zukunft der Unep an sich waren die Hauptthemen des Treffens. Der Verlauf der Versammlung ließ keine essenziellen Beschlüsse erwarten. Denn die Unep ist zwar die einzige Umweltbehörde, die global arbeitet, doch hinter ihrem Namenskürzel verbirgt sich nicht einmal eine Organisation. Die Unep ist nur ein "Programm", für dessen Jahresetat von 120 Millionen US-Dollar die Mitglieder freiwillig aufkommen.

Die 21. Ratssitzung der von Klaus Töpfer geleiteten Unep legte das Arbeitsprogramm fest. Teilnehmer lobten die lockere Atmosphäre der fünftägigen Veranstaltung. Statt anstrengender Nachtsitzungen, wie bei der Klimakonferenz in Den Haag, genossen die Delegierten in Nairobi kulturelle Beiträge von Dichtern oder Musikern. So meldetet sich die Delegierte Tokiko Kato aus Japan zu Wort, um dann zwei Lieder zu singen.

Die Warnungen der Unep-Experten auf der Tagung waren gleichwohl eindringlich. Ein Zentralthema war dabei das Abschmelzen der Polkappen, durch das im ewigen Eis gebundene Kohlenstoffe freigesetzt werden, die den Treibhauseffekt noch verstärken könnten. "Die Arktis ist eine Zone, in der Klimaänderungen furchtbare Folgen auslösen können", sagte Svein Tveitdal, Direktor einer Unep-Beobachtungsstation im norwegischen Arendal. Im ewigen Eis seien 14 Prozent aller Kohlenstoffe eingeschlossen.

Auffällig in Nairobi war der enge Schulterschluss zwischen dem grünen Umweltminister aus Berlin, Jürgen Trittin, und dem Unep-Chef Klaus Töpfer, Trittins Amtsvorgänger unter Kanzler Helmut Kohl. Beide treten für eine Stärkung des UN-Umweltprogramms ein. "Wir wollen aus dem Programm eine Organisation machen, die für die Umsetzung von Standards verantwortlich ist", sagte Trittin. Unep müsse so stark wie die Weltgesundheitsbehörde (WHO) werden.

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