Politik : Unerhört: wie Schröder mit Vertretern der ausländischen Presse umspringt

Tissy Bruns

Die 95 Korrespondenten der ausländischen Presse können derzeit bestätigen, was viele in der SPD noch bezweifeln - der SPD-Vorsitzende macht wirklich ernst damit, sich um die eigenen Leute mehr zu kümmern. Und das kommt so: Der Verein der ausländischen Presse, kurz VAP, bemüht sich seit einem Jahr um Gerhard Schröder. Um Schröder, den Bundeskanzler. Denn es ist gute Tradition, dass deutsche Spitzenpolitiker zu Pressegesprächen des VAP gehen.

Groß also die Freude, als aus dem Bundespresseamt das Angebot kam: Am Dienstag, 20 Uhr, sei es soweit. Das war vergangene Woche Dienstag. Neben der Freude bescherte das Angebot viel Arbeit, weil die in Berlin, Bonn, Frankfurt und sonstwo versprengten Korrespondenten mit den beschränkten Mitteln des Vereins informiert und eingeladen werden mussten. Per Telefonkette. Immer wieder wurde zwischen VAP und Bundespresseamt über Details telefoniert. Am Montag schließlich war die stolze Zahl von 95 Teilnehmern an der hochrangigen Besprechung endlich zusammengetrommelt.

Doch am selben Montag, 14 Uhr, wurde dem VAP bedeutet: Sorry, Absage, Terminschwierigkeiten des Kanzlers. Und nichts zu machen. Negativ auch die Reaktion auf die freundliche Anfrage, ob Schröder sein Treffen mit je drei Rechten und Linken aus der SPD-Fraktion vielleicht um eine bescheidene Stunde vorziehen könne. Aber nein, keine Chance.

95 Auslandskorrespondenten könnten nun zu Hause berichten, wie sich der Kanzler um seine Genossen kümmert. Wozu allerdings gehört, dass Schröders Termin mit den rechten und linken Genossen bereits um 20.15 Uhr zu Ende war.

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